Bei Google+ geht es gerade in einigen Diskussionen um das Thema der Zulässigkeit oder Nichtzulässigkeit von Nicknames bei Google+. Ganz neu ist diese Diskussion im Web nicht, sie gab es bereits zu Usenetzeiten.

Die Nickname-Befürworter begründen dies mit dem Datenschutz, dem Schutz vor möglichen Repressalien und Regelungen im Telemediengesetz die grundsätzlich die Nutzung von Nicknames zulassen. Interessant sind auch Begründungen, daß der Zwang zur Realname-Nutzung eine Diskriminierung darstellen würde.

Ich möchte zu der ganzen Problematik an dieser Stelle mal was schreiben, vorher aber eine wahre Begebenheit zum besten geben.

“Wir schreiben den 11. September 2001. In New York haben zwei Flugzeuge dafür gesorgt, daß das World Trade Center kurze Zeit später Geschichte war. An den Börsen setze der Handel aus, die Radiosender spielten nur noch traurige Lieder usw. Ich arbeitete damals im heute noch deutschesten aller deutschen Unternehmen. In meiner Freizeit trieb ich mich unter anderen in Internetforum rum, z.B. in einem für Eisenbahnfans. Auf Arbeit verging die nächsten Tage fast kein Tag wo nicht mindestens eine Instituion uns zu ner Schweigeminute o.ä. aufforderte. Gedenkmärsche, Trauerkundgebungen und was weiß ich nicht noch alles wurden organisiert.

Plötzlich meinte jemand in diesem Eisenbahnforum, auch dort noch einen Gedenkthread eröffnen zu müssen. Nun hab ich aus meiner amerikafeindlichen Grundeinstellung noch nie einen Hehl gemacht, und so ein Thread ging mir aufgrund seiner Sinnlosigkeit in einem Eisenbahnforum als viel zu weit. Und so stellte ich u.a. die Frage ob die 3.000 toten Amerikaner wertvoller seien als die täglich zu zehntausenden an Hunger, Unternährung, Epidimien, Kriegseinwirkungen usw. sterbenden Menschen auf der ganzen Welt für die auch niemand irgendwelche Gedenkthreads, Schweigeminuten und Trauermärsche initiiert. Das ganze ging eine Weile hin und her.

Jemand aus diesem Forum, keine Ahnung wer das war, fühlte sich aber etwas angepißt und schickte einen Screenshot mit meinen Äußerungen an meinen Arbeitgeber. Ich agierte und agiere zwar in Internetforen häufig mit Nicknames, mache es aber niemandem schwer meine wahre Identität zu ermitteln, da in Unserprofilen häufig mein kompletter Name steht bzw. ich in der Signatur Links zu eigenen Webseiten verlinke. Damals hatte ich auf meiner privaten Webseite auch einen Link zur Webseite meines Arbeitgebers, weshalb es dem unbekannten Forenmitglied recht einfach gelang meinen Arbeitgeber ausfindig zu machen.

Was war das Ergebnis? Ich wurde für den Rest meines befristeten Arbeitsvertrages wegen “Gefühlskälte” freigestellt und bekam Hausverbot. Damit war ich wohl in Deutschland einer der ersten die arbeitsrechtliche Konsequenzen aufgrund einer Äußerung im Internet zu spüren bekamen. Mein nächster Arbeitgeber war dann übrigens die deutsche Tochtergesellschaft eines amerikanischen Konzerns…”

Was sagt uns diese Geschichte? Ein Nickname alleine schützt vor gar nichts, denn ich müßte bei jedem Satz gleich mehrmals vorab überlegen ob nicht irgendwelche Schlüsse auf meine Herkunft daraus zu ziehen sind. Wenn ich halt keine Lust habe für Dinge die ich tat zur Verantwortung gezogen zu werden, dann ist nichts sicherer als diese Dinge gar nicht erst zu tun. Ich selbst stehe heute noch zu dem was ich damals sagte und ich stehe grundsätzlich immer zu dem was ich irgendwo äußere, deshalb bin ich auch in social Networks mit meinem echten Namen unterwegs, kämpfe also sozusagen mit offenem Visier. Da hat auch das Erlebnis in 2001 nichts dran geändert.

Soziale Netzwerke dienen auch dazu neue Kontakte zu knüpfen und die knüpfe ich lieber mit Franziska Schulze als mit kleineHexe1978. Es gibt genug Netzwerke wo man mit Nicknames unterwegs sein kann, da sollte es doch möglich sein in einigen wenigen wie Facebook, Google+ oder Xing mit Klarnamen zu agieren, oder? Im Zweifelsfall schreibt man dann dort halt nichts was gegen einen verwandt werden kann. Ist das wirklich so schwer?

So, und jetzt bin ich gespannt was ihr dazu meint….