#rp11 – Ein Schuß in den Ofen

Nach vier Tagen Berlin bin ich nun wieder wohlbehalten in Magdeburg angekommen und möchte einen Rückblick auf die re:publica 2011 (#rp11) geben. Schon im vorfeld entbrannte irgendwie ein großer Hype um die Veranstaltung, von dem auch ich mich anstecken ließ. Als regelmäßiger Barcampbesucher hab ich die #rp11 als barcampähnliche Veranstaltung betrachtet und mit entsprechenden Erwartungen fuhr ich also nach Berlin.

Erste Feststellung: Die #rp11 ist kein Barcamp, auch wenn ich einige der Anwesenden von Barcamps her kenne. Es ist halt ein Kongreß, merkt man schon daran, daß man nicht mal an kostenlose Getränke für die Teilnehmer gedacht hat, geschweige denn an Essen. Da blieb jeder sich selbst überlassen. Für mich ein absolutes NoGo. Das kann jedes Barcamp besser.

Zweite Feststellung: Die Location ist für eine solche Veranstaltung absolut unbrauchbar, zumindest wenn man die Teilnehmerzahlen betrachtet. Die Sessionräume in der Kalkscheune waren grundsätzlich immer überfüllt, man mußte sich teilweise schon 30 Minuten vor Beginn einer Session anstellen um noch eine Chance zu haben einen Platz im gewünschten Raum zu ergattern. Teilweise mußte die Kalkscheune wegen Überfüllung geschlossen werden und manchmal hatte ich ähnliche Gedanken in Bezug auf die Sicherheit, Brandschutz usw. wie @elcario in seinem Blogbeitrag.

Dritte Feststellung: Auch eine #rp11 ist nicht vor qualitativ minderwertigen Vorträgen gefeit. Einige der von mir besuchten Sessions waren nicht wirklich informativ und häufig wurde nur (k)alter Kaffee in neuen Kannen serviert. Von der Jugendschutzsession hatte ich mir z.B. sehr viel mehr versprochen. Neue Wege des Jugendschutzes, wie es der Titel versprach, wurden dagegen nicht aufgezeigt. Einige von mir geplante Sessionbesuche mußte ich ausfallen lassen, größtenteils weil die Räume schon voll waren, aber auch weil einige der Sessions in englisch gehalten wurden und ich nunmal kein englisch kann. Wer rechnet auch damit, daß mitten in Deutschland auf einer von Deutschen organisierten Veranstaltung Vorträge in englisch gehalten werden? Für mich ein absolutes fail. Englische Vorträge haben auf so einer Veranstaltung nichts zu suchen. Ich hab aber über Twitter mitbekommen, daß es wohl nicht wirklich schlimm war, daß ich einige Sessions verpaßt habe. Häufig war es wohl sogar besser so.

Vierte Feststellung: Wie man rund 3.000 Leute dauerhaft mit WLAN versorgt haben die Veranstalter der #rp11 sich nicht wirklich erklären lassen. Sonst hätte es nicht die dauernden Ausfälle gegeben. Live aus Sessions zu twittern war teilweise unmöglich und auch das UMTS-Netz war stark überlastet. Wenn man dann noch bedenkt, daß man sich auf einer Internetkonferenz befand ist das eigentlich mehr als nur traurig.

Fünfte Feststellung: Die #rp11 eignet sich gut um seine Twitterfollower mal endlich live zu treffen. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders @EinAugenschmaus hervorheben. Eine sehr bemerkenswerte junge Dame. Da hat es mich besonders gefreut, sie einmal persönlich zu treffen.

Tja, viel Kritik von meiner Seite, aber ich möchte nicht nur nörgeln, sondern auch ein paar Verbesserungsvorschläge machen.

Liebe #rp11-Orgas,

für 2012 hab ich ein paar Vorschläge für euch.

1. Verlegt die re:publica in die vorlesungsfreie Zeit und versucht euch in einer Uni oder FH einzumieten. Da gibt es dann massig gut ausgestattete Räume, sodaß man sogar mehr Sessions gleichzeitig machen kann und es keine Probleme geben dürfte 3.000 Leute unterzukriegen. Zudem gibt es an solchen Institutionen ein WLAN, das bei 3.000 Nutzern noch lange nicht ins Schwitzen gerät. Bevor jetzt jemand anfängt zu erzählen, daß diese WLANs nur den dortigen Studenten usw. vorbehalten sind. Das MobileCamp Dresden zeigt jedes Jahr aufs neue wie das geht. Jeder Teilnehmer bekommt einen persönlichen WLAN-Schlüssel und unterschreibt dafür und so ist sichergestellt, daß man nachvollziehen kann, wer ggf. böse Sachen während der Zeit über das Uninetz treibt. Kann man an anderen Unis sicher auch so handhaben.

2. Kostenlose Getränke gehören auf so einer Veranstaltung einfach dazu, das funktioniert auch auf Barcamps recht gut, wo man zumeist auch noch kostenlos komplett verpflegt wird. Bei dem was ihr da an Kohle von den Teilnehmern kassiert habt, dürfte das locker abfallen, zumal man bei solchen benötigten Mengen richtig gute Rabatte aushandeln kann.

Wenn alles so bleibt wie es dieses Jahr war, werde ich mir die Anreise 2012 wohl sparen. Als Selbständiger hat man da ja auch noch einige Opportunitätskosten zu includieren und wenn ich das nun zusammenrechne, hat es sich für mich nicht wirklich gelohnt, war eher ein Zuschußgeschäft.

Also, denkt mal drüber nach oder noch besser: fahrt mal zu Barcamps und schaut euch an wie man so etwas richtig organisiert.

Update: Liebe Kritiker, lest mal bitte alles und nicht nur das was ihr lesen wollt. Ich war früher an der Orga von Veranstaltungen mitbeteiligt, zu denen in zwei Tagen bis zu 10.000 Leute kamen. Ich weiß also auch was da für Arbeit hinter steckt und was das eine oder andere kostet. Es kam übrigens auch in anderen Blogbeiträgen zutage, daß wohl das Barcampkonzept für die #rp11 besser gewesen wäre. Nach rund zwanzig besuchten Barcamps weiß ich zudem, was man organisieren kann und was nicht.

Update2: Hier noch ein paar weitere Blogbeiträge anderer Teilnehmer, die in Teilen ähnlich kritisch klingen:

re:publica XI – mein rundblickender Rückumschlag
re:trospektive: re:infall re:publica
re:publica 2011 – ein kritisches Fazit

65 Comments

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  1. Edo Z.

    Und wieso war rp11 „ein Schuss in den Ofen“, nur weil Du dachtest rp11 wäre ein Barcamp? Das weiß man vorher dass es das nicht ist, wie kann man überhaupt auf so eine Idee kommen?

    Und für Preise zwischn 55 und 110 für 3 Tage Konferenz dann auch noch kostenlose Getränke und Essen? Weisst Du eigentlich was Fachkonferenzen normalerweise kosten?

  2. Die #rp11 ist keine Fachkonferenz, weil letztere werden nicht so unprofessionell organisiert. Und wie gesagt, auf Barcamps klappt das auch. Von daher ja, ich gehe schon davon aus, daß ich entsprechend verpflegt werde, wenn ich auch noch Geld vorab dafür bezahle.
    Das gehört für mich einfach mit dazu, das erwarte ich zwingend vom Veranstalter.

  3. Daniel

    Ich mag diesen Satz sehr: „Wer rechnet auch damit, daß mitten in Deutschland auf einer von Deutschen organisierten Veranstaltung Vorträge in englisch gehalten werden? Für mich ein absolutes fail“

  4. Ulrike Langer

    Und gebratene Tauben sind Dir leider auch nicht in den Mund geflogen??? Für solch ein Vollkasko-Mentalität habe ich absolut kein Verständnis.

    Wenn Du Dich vorab auch nur ein bisschen über re:publica informiert hättest – über die Webseite oder bei Leuten, die schon mal da waren, ist schließlich nicht die erste re:publica – dann hättest Du Dir die Teilnahme einfach sparen können. Denn offensichtlich warst Du dort fehl am Platz.

    Die rp ist eine international ausgerichtete Konferenz, das sieht man schon am Programm. Und auf solchen Konferenzen ist englisch gang und gäbe und keinesfalls ein „absolutes fail“.

    Verpflegung: Was erwartest Du eigentlich bei den Konferenzpreisen? Ringsum in Gegend um den Friedrichstadtpalast kann man sich außerdem wunderbar selbst verpflegen.

  5. Andrea

    Zum Thema Essen und Fremdsprachen kann ich nur sagen: werd erwachsen! Lerne wie man sich selbst belegte Brötchen besorgt und wenn Du kein Englisch kannst, dann ist es ja wohl mal überfällig oder?
    Ansonsten geh weiterhin auf all-inklusive-Veranstaltungen. Diese Anspruchshaltung finde ich befremdlich bis unverschämt.

    Was den Platz betrifft, so langsam erreicht die rp wohl Dimensionen, wo tatsächlich ein Umzug in andere Räume notwendig wird.
    Das W-Lan war eigentlich noch nie so wirklich vorhanden. Das hat mittlerweile Tradition.

  6. Ich warte so etwas wie bei Barcamps. Fahr mal zu solchen hin, dann weißt du was alles möglich ist. Es geht nicht um nen 5-Gänge-Menü, es geht darum, daß man vor Ort bleiben kann und sich nicht in alle Winde verstreuen muß.

  7. Ich bin Deutscher, hier ist Amtssprache deutsch, wozu soll ich englisch können. Meines ist, ebenso wie mein russisch, seit 21 Jahren eingerostet. Trotzdem hab ich ne erfolgreiche laufende Onlinemarketingfirma. Fazit: es geht auch ohne englisch.

  8. Jakob

    Wow, grandioser Blödsinn den es da zu lesen gibt. Kostenloses Essen und Getränke? Für 55 Euro? Sicher, könnte man machen. Wie teuer sind diese Bundeswehrdosen von 1970?

    Und es wurde Englisch gesprochen? Auf einer Konferenz die so ein klein wenig was mit Internet zu tun hat? Nunja, ich persönlich habe damit gerechnet und ich vermute die ganzen restlichen Teilnehmer auch. Aber wer rechnet schon damit, dass jemand komplett uninformiert zu re:publica fährt!

  9. Du forderst allen Ernstes, dass es keine Englischsprachigen Panels geben darf, weil du kein Englisch verstehst? Wäre es dann nicht konsequent auch zu fordern, dass es keine Panels gegen darf, die Humor oder Intelligenz voraussetzen?

  10. Andrea

    Noch ’ne Feststellung: wenn man einen Shitstorm anrührt, muss man auch damit leben. Kommentare nicht freischalten ist feige!

  11. Ich entscheide noch selbst was ich freischalte, und alles was unter die Gürtellinie geht oder wo ich annehme, daß der Kommentar nur das gelesen hat was er lesen wollte, hat keine Chance freigeschaltet zu werden. Aber den traffic nehm ich gerne mit, der bringt mir auch noch Links. Was besseres kann mir nicht passieren. *schmunzel* Ja ich bin ne Trafficschlampe, da steh ich dazu.

  12. Es gab Fehler bei der diesjährigen Organisation, und wie man Inhalte wahrnimmt, ist nun mal subjektiv. Aber sorry, Thorsten, einen so unreflektierten Beitrag hätte ich jetzt nicht erwartet… Lies doch mal ein bisschen was über die re:publica der letzten Jahre.

  13. nilz

    Guck mal Torsten: Das Barcamp-Konzept wäre echt ein besseres Konzept gewesen. Aber nur wenn man wollte, das die Re:publica ein Barcamp ist. Ist sie aber nicht und soll sie auch gar nicht sein. Insofern ist das ja ein bisschen so, als wenn ich zum Beispiel „Fight Club“ („Kämpf Verein“) vorwerfen würde, er wäre besser gewesen, wenn er eine romantic Comedy wäre. Da hätte ich dann sicher auch viele Mädchen auf meiner Seite, die „Fight Club“ doof fanden. Und die meiner Meinung wären. Aber es würde die Sache ja nicht richtiger machen. „Fight Club“ ist keine romantsiche Komödie (sorry wegen dem englischen Begriff eben) und auch nicht so gedacht, ebenso wie die rp kein Barcamp ist und auch nicht so gedacht.

    Stell dir mal vor: Es gibt Menschen, die finden es gut vorher zu wissen, welche Beiträge sie erwarten, etc. Für diejenigen, die Barcamps besser finden, gibt es ja, nun ja: Barcamps! Ist das nicht toll? So hat jeder was er will…

    Der Rest deiner Kritik ist süß bis albern. Ja, das fehlende WLan nervt schon seit Jahren, ich dachte auch die würden das besser in den Griff kriegen. Aber egal. Und das mit den englischen Beiträgen, hast du ja sicher selber schon gemerkt, ist nun wirklich ziemlicher Quatsch.

    Aber das es keine dreitägige Vollverpflegung gibt, finde ich auch unverschämt. Das bin ich aus meinem DomRep-Urlaub schliesslich auch nicht anders gewöhnt!

    Nix für ungut! Ich mag deinen Text! Ich hab Spass! 🙂

  14. René

    Tut mir leid, mit deinem letzten Kommentar hast du dich disqualifiziert. Auf dieser Ebene hab ich nicht mal Lust auf einen kritischen Kommentar. Ich wünsche dir stattdessen möglichst alles Glück der Welt für das weitere Funktionieren deiner Firma. Du wirst es brauchen …

  15. m.o.m.

    „Naja, dann hätte man ja die letzten Jahre schon was von lernen können und müssen, oder?“

    Wie wäre es dann zum Beispiel mit Englisch lernen?

  16. René

    Du erinnerst mit deinen Aussagen übrigens sehr an Westerwelle. Du erinnerst dich? Da war diese Pressekonferenz …

  17. Danny

    Du wirst keine Veranstaltung in der Groessenordnung finden, wo es kostenlose Getraenke gibt.
    Barcamps sind ja Kindergeburtstag dagegen. Da stell ich dann auch gerne einen Kasten Mate hin und alle sind zufrieden.

    Danny

  18. René

    Dir ist ansonsten klar, wie viel eine Konferenz mit Schwerpunkt Internet einbüßt, wenn auf internationale Sprecher verzichtet werden würde. Ich fühle mich schon während des Schreibens komisch, dass ich das überhaupt fragen muss. Über die Gründe für deine angeblich funktionierende Marketingfirma ohne englischsprachiges Wissen möchte ich erst gar nicht nachdenken …

  19. Wieso sollte die Qualität drunter leiden wenn keine fremdsprachigen Referenten auftreten würden? Meinst net auch, daß wir hier in Deutschland genügend Potential haben?

  20. René

    Das Potential möchte ich nicht beurteilen. Erfolgreiche, wegweisende Gründungen sollten dir aber vielleicht schon untergekommen sein. Ich will eben gerade nicht im eigenen deutschen Saft unterwegs sein, wenn vor allem außerhalb die Internetkultur geprägt wird.

  21. engl @ absurdum » Blog-Archiv » re:publica 11.6

    […] außerdem lese ich natürlich, was andere zu sagen haben. wobei ich über diese, doch ein wenig hoch geschraubten erwartungen ein wenig schmunzeln mußte. aber wirklich nur ein klein […]

  22. Was hat denn eine Amtssprache damit zu tun, welche Redner man einlädt? Wie wäre es denn noch mit einem Amtsakzent?

    Die Kalkscheunennummer fand ich auch eher anstrengend. Da muss was passieren.

    Aber Brötchen für lau, drei Tage für all die Leute, bei den Mickey-Mouse-Eintrittspreisen, das solltest du vielleicht etwas konkreter erläutern. 85 (Blogger)-Euro für drei (!) Tage Zeug + freie Verpflegung? Ich lach mich tot.

    Meine E-Mail hab ich angegeben. Bitte lass es mich wissen, wenn du eins deiner Barcamps organisierst. Ich wär gerne dabei. X Tage, Brötchen und Softdrinks und Kaffee für lau. Super!

  23. Mach ich. Wenn du mir eins anbietest, auf dem ähnlich viele Sessions mit ähnlich vielen Sprechern zu ähnlichen Eintrittspreisen stattfinden. Da brauch ich keine Liste, nenn mir eins.

  24. Barcamp Hamburg im Herbst – aber da mußt fix sein. Die 400 Gratistickets sind da in der Regel in weit weniger als einer Stunde vergriffen.

    Auch Stuttgart ist top. Ansonsten beachte das Barcampkonzept. Die Sessions werden erst vor Ort festgelegt, man weiß also nie was einen wirklich erwartet.

  25. Hamburg nehm ich sofort. Gar nicht mal umsonst, denn ich zahl ja auch gerne, deshalb muss ich nicht schnell sein. Ich will nur für den Preis (der danach wäre?) das bekommen, was du als Leistung für lau einforderst. Wie bekommst du denn für ein Gratisticket für drei Tage auch noch freie Verpflegung?

  26. Ähm, du verstehst das falsch. In Hamburg waren die Barcamps bisher immer komplett kostenlos. Pro Tag gibt es aber nur 400 Tickets. Oder kommst im Mai nach Nürnberg, da zahlst für zwei Tage 19 €.

  27. Dann verstehst du mich falsch. Liegt logischerweise am Sender, also an mir, deshalb nochmal: Drei Tage, 3000 (oder 2000 oder 1000) Teilnehmer, 200 (eher mehr) Sprecher und Brötchen für lau für 85 Euro: Wie soll das gehen?

    Zwei Tage Nürnberg für 19 Euro klingt interessant. Wer macht da das Catering? (Und wie kriegt er das hin?)

  28. Hamburg ist mit bis zu 400 Teilnehmern pro Tag das größte Barcamp in Deutschland. Stuttgart oder Nürnberg halten Rekord mit über 80 Sessions in zwei Tagen. Die Barcamps werden zumeist komplett oder zu großen Teilen von Sponsoren finanziert. Ich selbst hab z.B. das Wordcamp 2010 in Berlin mitfinanziert. Ob und welches Barcamp ich ggf. dieses Jahr als Sponsor unterstütze wird sich noch zeigen.

  29. Meine Wenigkeit war nicht auf der re:publica 11 und kann daher auch Nichts über die Qualität der Vorträge bzw. der Versorgung sagen. Mich irritiert eher die Tatsache, dass man auf eine Veranstaltung über ein internationales Netz mit englischsprachigen Wurzeln fährt und nicht damit rechnet, dass eventuell eine andere Sprache gesprochen wird. Gerade Englisch ist doch heutzutage in der IT Welt Normalität/Standard.
    Man sollte ein Gesetz erlassen, das .de Netz nur mit der Amtssprache zu befüllen 😉

  30. Blogrundschau zur re:publica 2011 – Meinungen aus dem Netz. | Netzfischer

    […] #rp11 – Ein Schuß in den Ofen (nochmal negativ) […]

  31. Markus

    Ach komm, natürlich ist Hamburg das größte Barcamp Deutschlands. Denk mal drüber nach, in welchen Räumlichkeiten das stattfindet. Richtig: Otto. Da wird ordentlich Kohle reingebuttert. Schau die allein das Catering an. Da wird dir der halbleere Teller vom Dienstpersonal direkt aus der Hand gerissen – weil Otto sich das entsprechend was kosten lässt. Ist ja auch eine alles in allem günstige Mitarbeiterfortbildung, Teile der deutschen Web-Elite und somit breit gefächertes Wissen für zwei Tage ins Haus zu holen.

    Hatten eigentlich die Menschen bei deinen 10.000er-Events auch Essen und Getränke für lau? Und wo fanden die denn statt? MIt welchen Sponsoren? Ein wenig konkreter darfst du da schon werden.

    Zum inhaltlichen Aspekt der re:publica: Einen Sprecher wie Jeff Jarvis oder Peter Kruse (beide im letzten Jahr) oder in diesem Jahr Gunter Dueck sowie zahlreiche weitere internationale Gäste habe ich bei Barcamps noch nie gesehen (bitte jetzt nicht als Einzelfall Matt Mullenberg für das Wordcamp 2009 anführen, der damals gefühlt auf Europa-Werbetour war…). Den Dueck hast du ja offensichtlich bei Twitter selbst verlinkt, kann ja so schlecht nicht gewesen sein.

    Genau diese Leute sind die Sprecher, die du bei keinem Barcamp in Deutschland finden wirst. Warum? Weil da – so interessant die Themen auch oft sind – jeder im eigenen Saft lustig weiterschmorrt. Offenbar hast du weder Sascha Lobos Startrant noch den Vortrag von Thomas Pfeiffer zu Echokammern etc. gehört. Diese (internationalen) Sprecher bieten den Blick über den Tellerrand – was sowohl das Geschehen im Web über Deutschland hinaus als auch die Horizonterweiterung jenseits der zu häufig technischen Themen eines Barcamps betrifft.

    Barcamps sind super, keine Frage. SIe sind auch – mit ein wenig Glück und Eigeninitiative – thematisch toll. Aber es ist – sorry – dumm, die re:publica damit vergleichen zu wollen. Eine Konferenz zur digitalen Gesellschaft *muss* mehr und anderes bieten & entsprechend anders aufgebaut sein als ein Barcamp. Ob du willst oder nicht.

  32. Bjoern

    Du hast mindestens in Teilen völlig recht! Lass dich mal von diesen Berlinern hier nicht unterkriegen mit deiner Kritik!

    Ich war auch da und empfand das meiste genauso wie du – man muss nicht englisch können, um auf eine republica zu gehen. das hätte ich auch nicht erwartet! und Essen habe ich auch gedacht, dass die da anbieten – stattdessen gepfefferte preise für getränke. gut, dass jemand man eine ehrliche meinung sagt, hier im internet sind viel zu viele zu scheinheilig…

  33. Markus

    @Bjoern & @Torsten Weil ihr euch nicht im Vorfeld zu Themen (Huch! Englischsprachige Panel-Beschreibungen & Sprecher aus anderen Ländern!) und Verpflegung (Nanu, kein Wort über irgendeine freie Verpflegung!?) informiert habt, ist jetzt die re:publica doof? Gewagter Schluss.

  34. max

    Spannende, leider Teils auch sehr abwegige, Kritik.

    Dazu ein paar Anmerkungen:
    Zur Sprachthematik hast du sicherlich mitbekommen, dass es heute schwierig ist jemanden zu finden der kein Englisch spricht. Englische Session sind auf re-publica.de als solche gekennzeichnet. Da du dein Ticket nicht erst vor Ort, sondern viele Tage vorher gekauft hast, kann man voraussetzen, dass man sich schon mal mit dem Programm im Vorhinein auseinandersetzt. Oder war etwas unangekündigt, überraschend auf Englisch?!

    Freies Essen und Getränke gab es. Dazu bräuchtest du aber das € 399,- Premium Supporter-Ticket (vgl. https://amiando.com/republica11.html ). Die Ansicht, dass Essen und Getränke „einfach dazugehören“ ist streitbar. Aber Falls du dich 2012 doch auf den Weg machen solltest kannst du ja für 399 € zuschlagen.

    Nicht nur ich denke, dass es wichtiger ist eine _bezahlbare_ Konferenz auf die Beine zu stellen, als mind. 399 € zu verlangen um ein umfangreiches Catering-Angebot mit abzudecken. Denn: Rechne das mal hoch, Catering für mehrere Tage ist bei 3000 Leuten nicht finanzierbar für Tickets im Rahmen von € 55 bis € 110. Man wird auch keinen Sponsor finden, der das trägt. Auch schlicht weil Niemand in Deutschland ein Budget hat, dass groß genug wäre um diese Kosten abzudecken.

    Barcamps (BC) als Vergleichs- und Vorbildinstanz aufzuführen zwingt mir ein Schmunzeln ab. Mehr aber auch nicht. Es gibt keine BC in dieser Größenordnung und es wird sie auch nie in dieser Größe geben. Was u.a. daran liegt, dass es ab einer bestimmten Teilnehmeranzahl nicht mehr möglich ist die BC-Struktur aufrecht zu erhalten.

    Du machst es dir ohnehin zu einfach: Die re:publica geht über mehrere Tage, die Besucherzahlen sind signifikant höher und das Programm bewusst breiter gefächert als es bei einem BC der Fall ist. Diese sind nämlich spezialisiert auf ein Kernthema. Die re:publica versucht aber viele Themen abzudecken.

    Das Thema Location ist kritisch 2011. Ein Abschied vom angestammten Platz liegt nahe und ist (‚wohl‘) in Planung. Soweit hast du also nicht unrecht.

    Am Ende noch kurz zum WLAN: Es ist nicht einfach ein funktionierendes WLAN auf die Beine zu stellen. Die Gründe sind vielfältig. Aber soviel sei gesagt: Eine Uni kommt nicht ansatzweise an die Endgerät-Dichte einer re:publica heran. UND: Es gibt – Stand der Dinge – leider kein(e) Unigebäude in Berlin, dass aus infrastruktueller Sicht für die Belastungen die aus einer re:publica entstehen ‚aus dem Stand‘ geeignet wäre, oder gar eine solche Konferenz stützen könnte.

    Gruß,
    -max

  35. Hi max,

    ich sehe das etwas anders.

    Es ist durchaus möglich bei den derzeitigen Eintrittspreisen alle für lau rund um die Uhr zu verpflegen. Gerade die großen Teilnehmerzahlen ermöglichen das, da kann man ganz anders im Einkauf verhandeln. Jeder Großhändler, jeder Caterer macht dir da Spitzenpreise, weil sie so ihre Gesamtverkaufszahlen schön erhöhen und selbst bessere Rabatte im Einkauf bekommen können. Für so etwas lassen sich garantiert auch große Firmen wie Coca Cola o.ä. als Sponsoren gewinnen. Nur mal als Beispiel.

    Richtig angepackt, kann man auch die Räumlichkeiten für lau bekommen. Schon stellt sich die Frage für was man dann noch die Gelder aus dem Ticketverkauf benötigt.

    Was die Endgerätedichte im WLAN einer Uni angeht habe ich zwar keine Zahlen, würde die aber nicht zwingend viel niedriger ansetzen. Auch Studenten gehen heutzutage mit der Zeit. Zudem gibt es wohl an fast jeder Uni mehr Studenten als Leute gleichzeitig auf der #rp11 waren. Zu den Räumlichkeiten an den Berliner Hochschulen und Unis kann ich als Auswärtiger nichts sagen. Dennoch zweifel ich ob der Unmachbarkeit einer re:publica in den Räumlichkeiten einer der Berliner Unis/Hochschulen.

    Was die Sprachproblematik angeht. Es gibt noch viel mehr Leute die kein englisch können als man denkt, auch hier in Deutschland. Wir sollten uns mehr auf unser eigenes Potential besinnen, da brauchen wir uns dann auch keine Redner von außen zu holen.

    Wie gesagt, ich bin der Meinung das es recht einfach ist eine bezahlbare Konferenz dieser Größenordnung incl. Verpflegung zu einem Minipreis auf die Beine zu stellen. Nur dazu muß man mit den richtigen Leuten im richtigen Ton sprechen. Das scheinen die bisherigen Organisatoren nicht zu können, sonst hätten sie es ja wohl gemacht, oder?

  36. Also keine Namen. Es gibt Fantasie-Caterer, die das Absurde anbieten, die behalten wir aber lieber für uns. Von mir aus. Schade nur für den Caterer, aber der hat es dann ja wohl auch nicht so nötig.

  37. Sorry, aber da mußt du die Veranstalter der jeweiligen Barcamps befragen. In Hamburg ist es das Catering von Otto. Es muß ja nicht immer nen 5-Sterne-Buffett sein. Aber wenigstens paar Kleinigkeiten.

  38. Der #rp11 Bericht eines Abwesenden | 2011, berlin, republica, rückblick | der Webarchitekt

    […] scheinbar ein Problem gehabt. Ok, man sollte sich eine neue Location suchen, oder aber ist man angehalten darüber zu sinnieren. Was die Themenvielfalt angeht ist der Tenor zur Zeit so, dass man sich neu ausrichten muss. Das […]

  39. Markus

    Hm, wenn das (s.o.) so einfach ist – dann mach das doch bitte mal. Bin gespannt.

  40. Andre H.

    Hallo,

    was soll ich sagen: Auch ich war in Berlin mit dabei. Einige der Punkte hier kann ich sogar nachvollziehen. Die Enge der Räume und das nicht vorhandene W-LAN sorgten für alles – nur nich für eine entspannte Atmosphäre.
    Das ist schade, war doch zumindest das Platzproblem bekannt und wäre durchaus als lösbar gewesen.

    Ein müdes Lächeln ringt mir aber vor allen Dingen der Kommentar zu den englischsprachigen Sessions ab. Allein schon die Einstellung, dass man im Internetgeschäft ohne Englisch auskommt ist absolut weltfremd.

    ABER: Wenn ich doch so sehr auf Deutsch bestehe, dann sollte ich die Regeln der deutschen Rechtschreibung auch beherrschen. Schon in der Überschrift erkennt man – Herr Maue hat das nicht. Wir doch ‚Schuß‘ schon seit ewigen Zeiten mit doppel-S geschrieben.

    Wahrscheinlich aber, hat Herr Maue auch für die Ablehnung der Rechtschreibreform eine verschrobene und weltfremde Erklärung, auf die ich schon jetzt gespannt bin.

    Für mich steht fest: Einige Punkte sind berechtigte Kritik, aber die Umsonst-Mentalität und die ernsthaften Beschwerden über englischsprachige Veranstaltung sind nur mal wieder Mittel zum Zweck im Gespräch zu bleiben.

    Für mich steht fest: Ich habe keine Ahnung, woher Herr Maue seinen anscheinenden Erfolg nimmt. Ich würde mit keinem Partner arbeiten, der weder Englisch, noch die korrekte(!!!) deutsche Rechtschreibung beherrscht.

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