#rp11 – Ein Schuß in den Ofen

Nach vier Tagen Berlin bin ich nun wieder wohlbehalten in Magdeburg angekommen und möchte einen Rückblick auf die re:publica 2011 (#rp11) geben. Schon im vorfeld entbrannte irgendwie ein großer Hype um die Veranstaltung, von dem auch ich mich anstecken ließ. Als regelmäßiger Barcampbesucher hab ich die #rp11 als barcampähnliche Veranstaltung betrachtet und mit entsprechenden Erwartungen fuhr ich also nach Berlin.

Erste Feststellung: Die #rp11 ist kein Barcamp, auch wenn ich einige der Anwesenden von Barcamps her kenne. Es ist halt ein Kongreß, merkt man schon daran, daß man nicht mal an kostenlose Getränke für die Teilnehmer gedacht hat, geschweige denn an Essen. Da blieb jeder sich selbst überlassen. Für mich ein absolutes NoGo. Das kann jedes Barcamp besser.

Zweite Feststellung: Die Location ist für eine solche Veranstaltung absolut unbrauchbar, zumindest wenn man die Teilnehmerzahlen betrachtet. Die Sessionräume in der Kalkscheune waren grundsätzlich immer überfüllt, man mußte sich teilweise schon 30 Minuten vor Beginn einer Session anstellen um noch eine Chance zu haben einen Platz im gewünschten Raum zu ergattern. Teilweise mußte die Kalkscheune wegen Überfüllung geschlossen werden und manchmal hatte ich ähnliche Gedanken in Bezug auf die Sicherheit, Brandschutz usw. wie @elcario in seinem Blogbeitrag.

Dritte Feststellung: Auch eine #rp11 ist nicht vor qualitativ minderwertigen Vorträgen gefeit. Einige der von mir besuchten Sessions waren nicht wirklich informativ und häufig wurde nur (k)alter Kaffee in neuen Kannen serviert. Von der Jugendschutzsession hatte ich mir z.B. sehr viel mehr versprochen. Neue Wege des Jugendschutzes, wie es der Titel versprach, wurden dagegen nicht aufgezeigt. Einige von mir geplante Sessionbesuche mußte ich ausfallen lassen, größtenteils weil die Räume schon voll waren, aber auch weil einige der Sessions in englisch gehalten wurden und ich nunmal kein englisch kann. Wer rechnet auch damit, daß mitten in Deutschland auf einer von Deutschen organisierten Veranstaltung Vorträge in englisch gehalten werden? Für mich ein absolutes fail. Englische Vorträge haben auf so einer Veranstaltung nichts zu suchen. Ich hab aber über Twitter mitbekommen, daß es wohl nicht wirklich schlimm war, daß ich einige Sessions verpaßt habe. Häufig war es wohl sogar besser so.

Vierte Feststellung: Wie man rund 3.000 Leute dauerhaft mit WLAN versorgt haben die Veranstalter der #rp11 sich nicht wirklich erklären lassen. Sonst hätte es nicht die dauernden Ausfälle gegeben. Live aus Sessions zu twittern war teilweise unmöglich und auch das UMTS-Netz war stark überlastet. Wenn man dann noch bedenkt, daß man sich auf einer Internetkonferenz befand ist das eigentlich mehr als nur traurig.

Fünfte Feststellung: Die #rp11 eignet sich gut um seine Twitterfollower mal endlich live zu treffen. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders @EinAugenschmaus hervorheben. Eine sehr bemerkenswerte junge Dame. Da hat es mich besonders gefreut, sie einmal persönlich zu treffen.

Tja, viel Kritik von meiner Seite, aber ich möchte nicht nur nörgeln, sondern auch ein paar Verbesserungsvorschläge machen.

Liebe #rp11-Orgas,

für 2012 hab ich ein paar Vorschläge für euch.

1. Verlegt die re:publica in die vorlesungsfreie Zeit und versucht euch in einer Uni oder FH einzumieten. Da gibt es dann massig gut ausgestattete Räume, sodaß man sogar mehr Sessions gleichzeitig machen kann und es keine Probleme geben dürfte 3.000 Leute unterzukriegen. Zudem gibt es an solchen Institutionen ein WLAN, das bei 3.000 Nutzern noch lange nicht ins Schwitzen gerät. Bevor jetzt jemand anfängt zu erzählen, daß diese WLANs nur den dortigen Studenten usw. vorbehalten sind. Das MobileCamp Dresden zeigt jedes Jahr aufs neue wie das geht. Jeder Teilnehmer bekommt einen persönlichen WLAN-Schlüssel und unterschreibt dafür und so ist sichergestellt, daß man nachvollziehen kann, wer ggf. böse Sachen während der Zeit über das Uninetz treibt. Kann man an anderen Unis sicher auch so handhaben.

2. Kostenlose Getränke gehören auf so einer Veranstaltung einfach dazu, das funktioniert auch auf Barcamps recht gut, wo man zumeist auch noch kostenlos komplett verpflegt wird. Bei dem was ihr da an Kohle von den Teilnehmern kassiert habt, dürfte das locker abfallen, zumal man bei solchen benötigten Mengen richtig gute Rabatte aushandeln kann.

Wenn alles so bleibt wie es dieses Jahr war, werde ich mir die Anreise 2012 wohl sparen. Als Selbständiger hat man da ja auch noch einige Opportunitätskosten zu includieren und wenn ich das nun zusammenrechne, hat es sich für mich nicht wirklich gelohnt, war eher ein Zuschußgeschäft.

Also, denkt mal drüber nach oder noch besser: fahrt mal zu Barcamps und schaut euch an wie man so etwas richtig organisiert.

Update: Liebe Kritiker, lest mal bitte alles und nicht nur das was ihr lesen wollt. Ich war früher an der Orga von Veranstaltungen mitbeteiligt, zu denen in zwei Tagen bis zu 10.000 Leute kamen. Ich weiß also auch was da für Arbeit hinter steckt und was das eine oder andere kostet. Es kam übrigens auch in anderen Blogbeiträgen zutage, daß wohl das Barcampkonzept für die #rp11 besser gewesen wäre. Nach rund zwanzig besuchten Barcamps weiß ich zudem, was man organisieren kann und was nicht.

Update2: Hier noch ein paar weitere Blogbeiträge anderer Teilnehmer, die in Teilen ähnlich kritisch klingen:

re:publica XI – mein rundblickender Rückumschlag
re:trospektive: re:infall re:publica
re:publica 2011 – ein kritisches Fazit

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64 Comments

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  1. Engländer

    Einen etwas irritierenden Beitrag hast du da abgeliefert.

    Bei einer Konferenz, die sich mit dem Thema Internet befasst, erwartest du allen Ernstes, dass dort auf Englisch verzichtet wird?
    Grundsätzlich ist das Internet ja doch eher global angelegt – das dürfte auch dir nicht unbekannt sein.
    Gerade der Blick über den Tellerrand (und über Landesgrenzen) hinaus, also Beiträge von internationalen Sprechern, bereichert imho eine derartige Konferenz ungemein.
    Und zu solchen Zwecken ist halt nunmal Englisch die Sprache der Wahl.

    Wenn du dich da mangels Sprachkenntnis und fehlendem Willen zur Fortbildung verweigerst, deine Sache, aber kreide das doch nicht dem Veranstalter an!

    Bei eher provinzielleren, kleinen Veranstaltungen mag das anders sein.

    Auch deine Äußerungen zum Thema WLAN muten etwas seltsam an. Du meinst also an einer Uni hast du ähnliche Last auf dem Netz, wie auf einer derartigen Veranstaltung, auf der ein nicht unwesentlicher Anteil der Anwesenden vermutlich mindestens 2 Geräte mit sich herumschleppt und auch intensiv nutzt?

    Grundsätzlich ist es immer wieder amüsant, dass Außenstehende immer wieder meinen, bei derartigen Veranstaltungen alles besser zu wissen und zu können.
    Vielleicht wird ja nächstes Jahr alles besser, wenn jemand auf dich aufmerksam wird und du die komplette Orga übernehmen darfst. ^^

  2. René

    „Andre, da ich nur deutsche Kunden habe, wüßte ich nicht wozu ich einer Fremdsprache bedarf.“

    Aus diesem Grund würde ich mich z.B. nicht für dich als Dienstleister entscheiden. Ich erwarte einfach, dass ein im Internet tätiges Unternehmen die internationalen technischen und kulturellen Entwicklungen in seine Arbeit einfließen lässt. Alles andere ist in diesem Bereich tatsächlich weltfremd.

  3. René

    „Andre, da ich nur deutsche Kunden habe, wüßte ich nicht wozu ich einer Fremdsprache bedarf.“

    Aus diesem Grund würde ich mich z.B. nicht für dich als Dienstleister entscheiden. Ich erwarte einfach, dass ein im Internet tätiges Unternehmen die internationalen technischen und kulturellen Entwicklungen in seine Arbeit einfließen lässt. Alles andere ist in diesem Bereich tatsächlich weltfremd.

  4. Meine Kunden wollen in Deutschland bei Google ranken und dazu muß man sich in Deutschland auskennen und deutsch sprechen. Was in China, Spanien, den USA oder Neuseeland abgeht ist dabei unwichtig.

  5. René

    Dann liest du sicher auch alle Fachartikel nur in Deutsch. Nicht dein Ernst, oder? Ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, da ich selbst auch im Bereich Webentwicklung tätig bin …

  6. Das ist der Unterschied: du machst Webentwicklung, ich mach SEO. Und ich les net mal deutsche SEO-Blogs. Ich beschäftige mich jetzt seit acht Jahren mit SEO, da weiß man wo der Hase langläuft.

  7. Glasklar

    Ein Wunder, dass du überhaupt SEO sagst!? Warum sagst du nicht SMO für Suchmaschinenoptimierung? SEO ist doch Englisch?!

    Ich würde gern mal ein Beispiel sehen, wie du erfolgreich Kunden betreuust ohne Englisch zu können. Oder generell mal ein Beispiel für dein SEO?!

    Gruß
    Glasklar

  8. ugli

    Englisch als Fremdsprache wird bereits in der Grundschule unterrichtet und gehört daher zur Allgemeinbildung, oder?

  9. Nö, gehört es nicht, denn nicht überall ist englisch Pflichtfach und es gibt auch Leute die schon sehr lange aus der Schule raus sind und seitdem kein englisch mehr brauchten. Und hier in Deutschland ist Amtssprache deutsch und da sollte man sich auch dran halten.

  10. Wenn sich Torsten auf Deutschland fokussiert, kommt er absolut ohne Englisch aus. Das Gemisch aus Denglish und Marketing-Dampfblasen, was anderswo zum guten Ton gehört, lässt Torsten weg und spricht Klartext. Ich finde das sehr wohltuend und selbstbewußt. Einige im SEO-Bereich, die Ihr Halbwissen nur mühsam kaschieren, verstecken sich hinter aufgeschnappten, unverdauten meist englischen Wortgeklingel – Torsten nicht, weiter so!
    P.S.: Ich selbst betreue Kunden in England, Finnland, Portugal und der Schweiz und kann mich nicht auf Deutsch beschränken – Englisch ist für mich lingua franca.

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