Für Laienbahnfahrer: Entspannt Bahn fahren

By | Oktober 18, 2013

Ich fahre regelmäßig lange Strecken mit der Bahn: zu Kunden, Barcamps oder auch als Städtetrip. Im Zug wie auch online auf Twitter erlebe ich immer wieder wie sich Leute aufregen weil irgendetwas nicht so funktioniert, wie sie sich das wünschten.

Ich selbst rege mich gar nicht mehr drüber auf, wenn etwas nicht zu 100 % klappt. Zum einen kenne ich ein wenig die betrieblichen Hintergründe, zum anderen weiß ich auch wo ich mich hinwenden kann um an Infos zu kommen.

Viel Streß kann man sich ersparen, wenn man den einen oder anderen Hinweis aus diesem Blogbeitrag beherzigt. Dann macht Bahn fahren wieder richtig Spaß, auch wenn man mal verspätet ankommt.

1. Vor der Fahrt

Schon vor der Fahrt kann man Stress vermeiden. Dazu hilft es bereits nicht erst eine Minute vor der Abfahrt auf den Bahnsteig zu sprinten, rein in den nächsten Wagen und dann samt Gepäck quer durch den ganzen Zug zu laufen. Stattdessen ist es entspannter wenn man zehn Minuten vorher da ist und sich am Wagenstandsanzeiger informiert wo der Wagen hält für den man eine Platzkarte hat. Diese Wagenstandsanzeiger befinden sich auf allen Bahnsteigen wo Züge des Fernverkehrs halten. Sollte der Zug einmal an einem anderen Bahnsteig als normal halten, hilft es einen Blick auf die elektronische Zugzielanzeige zu werfen. Dort kann man zumindest sehen in welchen Abschnitten die Wagen der 1. und 2. Klasse halten. Das hilft zumindest um zu entscheiden in welche Richtung man gehen sollte um nicht komplett durch den gesamten Zug zu laufen.

Läuft der Zug dann ein und man steht nicht ganz richtig, dann ist es meistens vorteilhafter außen auf dem Bahnsteig bis zum richtigen Wagen zu gehen und dann dort einzusteigen, anstelle irgendwo einzusteigen und sich dann mit seinem Gepäck durch den halben zu Zug zu quälen.

An den Wagen steht nicht nur groß eine 1. oder 2. für die Wagenklasse dran, auch die jeweilige Wagennummer ist angegeben. Außerdem steht dann so etwas drunter wie z.B. 11-78 oder 81-112. Das sind die Sitzplatznummern. Hat man also eine Reservierung für Platz 56, ist es passender an der Wagenseite einzusteigen, wo 11-78 oder so dran steht. Der Weg zum reservierten Platz ist dann kürzer.

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2. Im Zug

Hat man seinen Sitzplatz erreicht, dann bitte schauen, daß man niemanden großartig behindert und das Gepäck schnell verstauen. Ist der Sitzplatz belegt durch einen anderen Fahrgast, so nicht gleich in Panik verfallen. Gründe dafür sind meistens NICHT in einer Doppelvergabe durch die Deutsche Bahn zu suchen. Stattdessen gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Man selbst ist im falschen Waggon.
2. Man befindet sich im falschen Zug.
3. Man befindet sich im richtigen Zug, hat aber eine Reservierung für einen anderen Tag.
4. Der andere Fahrgast sitzt auf einem falschen Platz bzw. bei ihm treffen die Punkte 2. oder 3. zu.

In jedem Falle Ruhe bewahren und die Sitzplatzreservierungen GENAU miteinander vergleichen. Wird man sich nicht einig und stellt man keinerlei Fehler fest, dann sollte man einen Zugbegleiter hinzuziehen. In jedem Fall gilt: Ruhe bewahren. Zu 99,9 % lassen sich solche Fälle ganz leicht klären.

3. Bei Verspätungen

Verspätungen lassen sich ebensowenig zu 100 % vermeiden, wie man auch Staus vermeiden kann. Auch Flüge fallen aus oder haben teilweise sogar mehrere Stunden Verspätung. Aufgeregt wird sich allerdings nur bei Verspätungen der Bahn, wobei genau diese allerdings meistens genug Alternativen bietet um sein Ziel noch zu erreichen.

Erster Punkt auch hier: Ruhe bewahren. Freut euch wenn ein Zug Verspätung hat, denn wenn ihr euch nicht freut, hat er auch Verspätung. 😉 Es lässt sich eh nicht ändern, da bringt es nichts sich aufzuregen. Viele Verspätungsgründe hat die Bahn auch gar nicht zu verantworten.

Wenn der Zug Verspätung hat und man mit einem anderen Zug weiter muß, dann sollte man sich beim Zugbegleiter melden und ihm dies mitteilen. Er übermittelt die benötigten Anschlüsse an die Leitzentrale, wo dann entschieden wird welcher Zug auf Anschlussreisende wartet und welcher nicht. Je später der Abend, desto länger wartet ein Zug such auf Anschlussreisende. Grund: die Bahn müsste sonst Taxi oder Hotel bezahlen. Das möchte man so weit es geht vermeiden.

Wer ein Smartphone besitzt, kann mit der DB Navigator-App (für iOS und Android erhältlich) selbst prüfen wie es um seinen Anschluss bestellt ist und via App ggf. eine alternative Verbindung ausfindig machen.

Ist der Anschlusszug weg und hat man eine Fahrkarte mit Zugbindung, sollte man beim Zugbegleiter oder beim Servicepoint auf dem Bahnhof die Zugbindung aufheben lassen. Das verläuft ganz unkompliziert.

4. Reisen ohne Sitzplatzreservierung

Wer keine Sitzplatzreservierung hat, sollte zumindest zu den Stoßzeiten (freitags, sonntags, vor Feiertagen und vor langen Wochenenden durch Brückentage) nicht unbedingt damit rechnen einen Sitzplatz zu bekommen. Da reisen dann mehr Menschen als normal bei gleichbleibendem Zugangebot. Also wenn möglich auf die Tagesrandlagen oder andere Wochentage ausweichen.

Bei der Wahl des Wagens gilt folgendes Prinzip:

Kommt der Zug von einem Kopfbahnhof (Frankfurt/Main, Leipzig, teilweise Dresden Hbf, Hamburg Altona), so ist davon auszugehen, daß die dem Querbahnsteig am nächsten stehenden Wagen am vollsten sind, da niemand Lust hat weit zu laufen. Da macht es dann also Sinn in einen der Wagen einzusteigen, die dort im Kopfbahnhof weiter vom Querbahnsteig entfernt sind.

Ansonsten gilt: die Wagen in der Mitte des Zug sind im Normalfall stärker ausgelastet wie die am Ende eines Zuges.

Wer in Hamburg oder Berlin einen Fernzug besteigt, sollte zudem noch folgendes beachten:

Die Fernzüge in Hamburg beginnen in der Regel in Hamburg Altona oder Hamburg Dammtor, nicht in Hamburg Hbf. Wer kann sollte bereits dort einsteigen, denn da steigen recht wenige ein und man hat mehr Ruhe um sich einen Sitzplatz zu suchen. In Hamburg Hbf dagegen steigen recht viele ein und es geht dadurch chaotischer zu. Die Fahrkarten im Fernverkehr gelten in der Regel ab Hamburg, ohne Angabe des Bahnhofs. Daher können diese auch bereits ab Dammtor oder Altona genutzt werden!

In Berlin beginnen die Fernzüge in Berlin Ostbahnhof, Südkreuz oder Gesundbrunnen. Hier gilt das gleiche Prinzip: voll wird es erst in Berlin Hbf. Also lieber mit der S-Bahn vorher zum eigentlichen Startbahnhof des Zuges fahren und dort in Ruhe einsteigen und sich seinen Platz suchen. Damit beginnt die Fahrt dann schon viel entspannter.

5. Lieber 1. Klasse statt 2. Klasse reisen

Wer entspannt Bahn fahren möchte, sollte sich überlegen lieber in der 1. Klasse anstelle der 2. Klasse zu reisen. Diese ist zumeist viel leerer und man kommt auch in eigentlich volleren Zügen häufig (nicht immer!) ohne Sitzplatzreservierung aus. Auch preislich sind die Unterschiede dank diverser Sparpreise und sonstiger Rabatte recht marginal. Zudem hat man mehr Platz und es ist häufig auch bedeutend leerer und ruhiger.

Wer sich an die o.g. Tipps hält, der wird schnell merken wie entspannt es sein kann mit der Bahn zu reisen. Speziell zu den Sparmöglichkeiten beim Fahrkartenkauf wird es noch einen separaten Blogbeitrag geben. Ansonsten wünsche ich allen allzeit Gute Fahrt!

5 thoughts on “Für Laienbahnfahrer: Entspannt Bahn fahren

  1. Bahnfahrer

    Das sind sehr gute Hinweise, mir fehlt nur noch die Aufklärung über die Funktion der Ablage über den Köpfen und teilweise in der Mitte der Waggons. Diese sind für Koffer bestimmt, die daher nicht in den Sitzreihen verpresst werden müssen!

  2. Steven

    Spitze! Hab mich köstlichst über diesen Beitrag amüsiert. Immer diese (Laien-) Bahnfahrer, welche sich nicht nur einmal im Jahr sich auf Gleisen bewegen, und trotzdem nicht mit dem „System“ Bahn klar kommen … sehr viel Wahrheit!

  3. hartmut

    Das auch zwischen Rücken-an-Rücken montierte Sitzen Koffer passen (gerade die Sorte die für die Überkopf-Ablage zu groß sind) wird auch oft übersehen …

    Und generell gilt: ICEs sind eher auf Geschäfts- als Urlaubsreisende ausgelegt, wer mit sehr großen oder vielen Gepäckstücken unterwegs ist wird mit einem IC mehr Freude haben (auch wenn es etwas länger dauert)

    Bei den Wagenstandsanzeigern vllt. noch der Hinweis das diese oft nicht direkt an den Treppen sondern erst ein gutes Stück weiter auf den Bahnsteigen zu finden sind … da läuft man gern auch schon erst einmal in die falsche Richtung …

    PS: das mit der „doppelten“ Reservierung hatte ich auch mal, tatsächlich war ich derjenige mit „für den nächsten Tag“ … Ursache war das ich spät abends am Automaten „für morgen“ gebucht hatte. Leider wohl an einem Automaten dessen Uhr wohl deutlich vorging und der daher schon um ca. 23:45 der Meinung war es wäre schon *nach* Mitternacht …

    PPS: mein Eindruck war auch immer das man irgendwann „im Urin“ hat welche Verbindungen einigermaßen pünktlich sind … in meinen glücklichen BahnCard 100 Zeiten hatte ich gefühlt am wenigsten Probleme mit Verspätungen, jetzt als nur noch Gelegenheitsfahrer deutlich öfter

    PPPS: ich nehme nie die allerletzte Verbindung am Abend, immer die vorletzte … es sei denn ich pokere auf einen Taxi-Gutschein weil die letzte S-Bahn am Zielbahnhof schon weg ist … 😉

  4. sr

    Das ist ja alles schön und gut, aber wenn man 3 mal im Jahr mit der Bahn fährt, sich schön brav einen Tischplatz mit Steckdose reserviert damit man arbeiten kann und dann 2 von den 3 Mal der ICE durch einen IC ausgetauscht wird, in dem a) die Reservierung nicht gilt, b) keine Tische und c) keine Steckdosen vorhanden sind… Dann ist das vermutlich persönliches Pech, trägt aber auch nicht zur Entspannung bei.

  5. Elektricman

    Ich fahre auch ab und zu mit der Bahn. Ich bin mal am Wochenende nach Fulda gefahren und wollte auf Gleis 1 weiter nach Neuhof fahren. Ich hatte noch mit einem anderen Fahrgast am Bahnsteig gewartet. Auf einmal kam einer von der Bahnpolizei und sagte: “ Ihr wollt wohl Richtung Frankfurt/M fahren?“ „Ja “ sagten wir beide wartenden am Bahnsteig. Polizist:“Da müsst ihr aber auf Gleis 8. dort drüben steht euer Zug!“ Wie vom Blitz getroffen sind wir nur noch gerannt bis zum anderen Bahnsteig. Da war es mit der ruhe endgültig vorbei. Es ist leider nicht das erste mal das die Bahnsteige bei dem einfahren geändert werden und keine Durchsagen gemacht werden.
    Ich hatte auch schon Züge erlebt ohne Zugbegleiter. Da gehen dann die Türen automatisch zu und Tschüss!“ Die Türen sind dann ganz einfach verschlossen. Niemand interessiert bei der DB, ob da noch Leute in den Zug einsteigen wollen.
    Der nächste Zug geht dann eben eine Stunde Später….
    Deshalb hatte ich dann nur noch Nahverkehrszüge benutzt, weil man dann die Fahrkarte nicht umtauschen muß. Das ist dann schon wieder Streß, weil man erst am Fahrkartenschalter erklären muß warum man den Anschlußzug nicht bekommen hat. Ein Weiterkommen kann zur Abendstunde sehr schwierig sein. Manchmal kommt man mit der Regionalbahn dann sowiso nicht mehr nach Hause. Das habe ich schon alles erlebt. Wenn man dann keine Freunde hat, die einen mal abholen können, dann kann man im Bahnhof schlafen. Das habe ich auch schon erlebt.
    Dann kann man wirklich von einer Ausgeruhten Bahnfahrt sprechen.

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