Günstig Bahn fahren im Fernverkehr

By | Oktober 28, 2013

Bahn fahren ist teuer. Diesen Satz höre ich immer wieder. Ja, Bahn fahren ist nicht mehr so billig wie zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn. Teuer ist aber relativ und ich selbst fahre viel mit der Bahn, gerade auch auf Fernstrecken. Schaut man sich die aktuellen Spritpreise an, so wird man feststellen, daß Auto fahren auch nicht unbedingt billig ist. Dazu kommt die Investition in das Auto selbst, verbunden mit all den Zusatzkosten wie Steuern, Versicherungen, Reparaturen usw.

Doch hier soll es ja darum gehen wie man günstig Bahn fahren kann.

Wer wenig Bahn fährt, der wird häufig überfordert von dem Tarifwirrwarr: Sparpreise, Europa Spezial, Wochenendticket, Quer-durchs-Land-Ticket, BahnCard usw.

Ist aber eigentlich gar nicht so kompliziert. Zuerst einmal wenden wir uns den Fahrten im Fernverkehr zu, also alles wo man ICE, EC und IC nutzt um schnell von A nach B zu gelangen.

Hier gibt es im Grunde eine nicht so komplizierte Tarifstruktur:

Normalpreis – ist am teuersten und wird in dieser Form wohl inzwischen am wenigsten genutzt
Normalpreis mit BC 50 – 50 % Rabatt auf den Normalpreis, keine Zugbindung, keine Vorverkaufsfristen
Normalpreis mit BC 25 – 25 % Rabatt auf den Normalpreis, keine Zugbindung, keine Vorverkaufsfristen
Sparpreis – günstige Sonderpreise, häufig billiger als Normalpreis mit BC 50, mindestens drei Tage vorher buchen, Zugbindung, begrenztes Fahrkartenangebot
Sparpreis mit BC 25 – wie Sparpreis, aber nochmal 25 % günstiger

Das waren die wichtigsten Tarife bereits.

Zum Normalpreis braucht man nicht viel sagen. Der ist am teuersten und wer den bucht hat entweder zu viel Geld oder sich vorab nicht richtig über günstigere Alternativen informiert.

Wer viel reist, gerade auch auf langen Strecken, und auch noch flexibel bei der Zugauswahl sein möchte, für den kann sich die Anschaffung einer BahnCard 50 lohnen, mit der man grundsätzlich 50 % Rabatt auf den Normalpreis bekommt. Auf langen Strecken hat man die Anschaffungskosten durchaus häufig bereits nach drei oder vier Fahrten raus. Ich kenne eine Bahncard 50-Nutzerin, die regelmäßig zwischen Süddeutschland und Niedersachsen pendelt und so total flexibel ist und auch kurzfristig einfach in den Zug steigen kann.

Kann man seine Fahrten länger im Voraus buchen und hat zudem keine Probleme mit Zugbindung, ist eine Bahncard 25 unter Umständen besser geeignet. Die nutze auch ich, da meine ca. 20 Fahrten pro Jahr zu großen Teilen gut im Vorfeld planbar sind. Dadurch habe ich die Möglichkeit günstige Sparpreise zu bekommen, die dank der Bahncard 25 nochmals um 25 % reduziert werden. Da fahre ich dann schon mal für 25 € von Magdeburg nach Nürnberg, etwas was ich mit dem Auto zu diesen Kosten nicht schaffen würde.

Wer hier sparen möchte, der sollte versuchen die Stoßzeiten zu meiden. Sparpreise werden dafür entweder gar nicht oder nur in sehr geringer Zahl angeboten, sodaß es da sonst häufig teurer ist als zu weniger frequentierten Zeiten. Hier kann es sich durchaus lohnen ein oder zwei Stunden früher oder später als geplant zu fahren, da kann die Fahrkarte für die gleiche Strecke dann um einiges billiger sein.

Ich buche meine Fahrkarten immer so früh wie möglich. Das ist ab 92 Tage vorher möglich. Für fest geplante Veranstaltungen setze ich mir im Terminkalender eine Erinnerung, ab wann man die Fahrkarte buchen kann und bestelle sie dann an diesem Tag. Je näher der eigentliche Reisetermin rückt, desto geringer ist die Zahl der verfügbaren Sparpreise. Mit diesen Sparpreisen möchte die Bahn übrigens die Reisendenströme lenken, sodaß vergleichsweise leere Züge so besser ausgelastet, volle Züge etwas entlastet werden. Wer sich daran hält, spart nicht nur Geld sondern auch Nerven. Weniger volle Züge und mehr Ruhe und Platz.

Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden bestimmte Züge zu nutzen. Was wenn dann aber keine Sparpreise mehr verfügbar sind? Auch dann muß man nicht zwingend Fahrkarten zum Normalpreis kaufen. In solchen Fällen sollte man einfach mal schauen ob es noch Fahrkarten mit Sparpreisrabatt in der 1. Klasse gibt. Das ist fast immer der Fall und so kann es durchaus sein, daß man mit einem Sparpreis für die 1. Klasse günstiger fährt als mit einem Normalpreisfahrschein in der 2. Klasse. Ich habe daher meine Bahncard 25 auf eine Bahncard 25 1. Klasse geupgradet und bekomme so auf die Sparpreise der 1. Klasse auch 25 % Rabatt.

Die Preisunterschiede zwischen 1. und 2. Klasse betragen so häufig nur noch wenige Euro, manchmal auch nur ein paar Cent.

Da die 1. Klasse auch meistens sehr viel leerer ist, brauche ich dafür in der Regel auch keine Sitzplatzreservierung. Dadurch spare ich dann weitere 4 €, denn in der 2. Klasse macht eine Sitzplatzreservierung meistens wirklich Sinn.

Es geht noch billiger

Dazu sind zwei Dinge nützlich: erstens sollte man den Newsletter der Deutschen Bahn abonnieren. Der enthält immer mal wieder Gutscheine mit bis zu 10 € Wert, mit denen man beim Fahrkartenkauf weiter Geld sparen kann. Auch auf der Facebookseite der Deutschen Bahn gibt es immer wieder Gewinnspiele mit Gutscheinen als Preise. Fan werden zahlt sich dort unter Umständen durchaus aus.

In diesem Jahr habe ich durch solche Gutscheine insgesamt schon fast 100 € zusätzlich gespart. Regelmäßig gibt es auch offline Gutscheine zu holen. Aktuell gibt es einen 10 € Gutschein beim Kauf einer Packung Tofiffee. Die kostet im Einzelhandel ca. 1,10 €. Letztlich ergibt sich dadurch eine Ersparnis von ca. 8,90 €. Meine letzten Fahrten habe ich dank dieser Gutscheine allesamt entsprechend verbilligt.

Bahn.Bonus-Punkte sammeln macht Sinn

Wer regelmäßig Bahn fährt, der kann sogenannte Bahn.Bonus-Punkte sammeln. Das macht Sinn, denn diese Punkte kann man u.a. in Freifahrten 1. oder 2. Klasse umtauschen. So fahre ich demnächst mit einer solchen Freifahrtkarte auf eine längere Reise, wo ich selbst unter günstigsten Umständen 111 € für eine Fahrkarte hätte zahlen müssen.

Wer viel Bahn fährt sollte sich zudem neben einer Bahncard auch eine Bahncard-Kreditkarte zulegen und kann so noch schneller Bahn.Bonus-Punkte sammeln.

Freifahrten im Hotel sammeln

Wer regelmäßig in Hotels der Accor-Gruppe nächtigt (Ibis, Novotel, Mercure, Pullman, Sofitel), der kann dort auch Accor-Punkte sammeln. 2.000 Accor-Punkte kann man in 1.500 Bahn.Bonus-Punkte umtauschen und dafür bekommt man bereits eine einfache Freifahrt 2. Klasse. Bei Accor selbst bekäme man dafür nur einen 20 € Hotelgutschein.

Weitere Strecken sind manchmal billiger als kürzere Strecken

Das klingt zwar seltsam, ist manchmal aber dennoch der Fall. Im Fernverkehr kann dies der Fall sein, wenn man als Zielbahnhof nicht den Wunschbahnhof, sondern einen nahegelegenen Bahnhof im Ausland nimmt. Dann greift das Europa Spezial, was eigene Sparpreiskontingente hat. Da kann es dann sein, daß dort noch günstige Sparpreise vorhanden sind, während sie für inländische Sparpreise bereits vergriffen sind. Und so macht es dann Sinn sich eine Fahrkarte in die Schweiz, die Niederlande, nach Polen oder Tschechien zu kaufen, obwohl man dort gar nicht hin will.

Aber das trifft auch innerhalb von Verkehrsverbünden zu, wo die Bahncard häufig nicht gilt. Kauft man dann eine Fahrkarte für einen Zielort außerhalb des Verkehrsverbundes, dafür mit Bahncard-Rabatt, kann es in manchen Fällen auch billiger sein.

Soweit also zum Fernverkehr. Zum Thema Nahverkehr werde ich wohl einen separaten Blogbeitrag schreiben, wird sonst zu lang. 😉