Ich bin Privatpatient

By | April 14, 2009

Ich bin Privatpatient – das ich das mal sagen muß um behandelt zu werden, hätte ich nicht gedacht.

Seit Tagen plagt mich ja eine Erkältung, aber so schlimm wie dieses Mal hatte ich es lange nicht gehabt. Bisher hat die angewandte chemische Keule jedenfalls nichts positives bewirkt. Also wollte ich heute einen Arzt aufsuchen.

Zuerst fiel mir da mein HNO-Arzt ein, wo ich Anfang Januar in Behandlung war. Der Anrufbeantworter lehrte mir aber, den Gedanken fallen zu lassen, denn der Doktor machte gerade Urlaub.

Da ich bisher nicht wirklich krank war, hatte ich mir bisher auch noch keinen Hausarzt zugelegt. So hab ich also erstmal gegoogelt und festgestellt, daß Ärzte Und Internet wohl etwas sind was nicht zusammenpaßt.

Also los. Bei der ersten Ärztin hätte ich zwei Stunden warten sollen. Ich zur Schwester: „Okay, dann geh ich und komm dann in zwei Stunden nochmal wieder.“ Sie: „Aber dann muß ich ihre Akte hintenanlegen.“ Ich staunte über diese Antwort nicht schlecht und ging dann lieber, als mich zwei Stunden sinnlos in einen Warteraum zu setzen.

Nächster Versuch. Ein weiterer allgemeiner Arzt, nur rund 100 Meter von meiner Wohnung weg. Da hatte ich bereits angerufen, ging aber niemand ran. Also persönlich vorbei. An der Tür prangte ein Schild, daß mich drauf hinwies, daß der Doc Urlaub macht. Ist es da eigentlich zuviel verlangt einen Anrufbeantworter mit einer entsprechenden Nachricht zu schalten?

Also wieder heim. Inszwischen hatte ich noch ne Empfehlung bekommen. Ich dort angerufen. Termine erst wieder ab Juni! Ich kann so vorbeikommen ohne Termin. „Okay, dann komme ich heute nachmittag vorbei.“, sagte ich. Aber die Dame am Telefon informierte mich, daß die Ärztin diese Woche nicht da ist.

Langsam war ich der Verzweiflung nahe. Also weiter gesucht. Bei der nächsten Ärztin angerufen. „Sind Sie Patient bei uns?“, wurde ich gefragt. Das verneinte ich. „Tut mir leid, wir nehmen keine Neupatienten an.“, sagte mir die Schwester am Telefon. Da war ich baff. Wie läßt sich so etwas mit hypokratischen Eid vereinbaren? Ich reagierte mit dem Satz: „Ich bin Privatpatient.“ Die Schwester meinte darauf zu mir: „Einen Moment bitte.“ Und tatsächlich bekam ich dann noch einen Termin für heute nachmittag.

Wie lange hätte ich wohl aber noch suchen müssen, wenn ich kein Privatpatient gewesen wäre? Jedenfalls scheint es den Ärzten wohl recht gut zu gehen und so wundert es mich recht wenig, daß so wenig Ärzte überhaupt vernünftig im Internet gefunden werden bzw. dort vertreten sind.

Jetzt hoffe ich nur noch, daß die Ärztin auch was taugt und mir schnell helfen kann.

0 thoughts on “Ich bin Privatpatient

  1. Huggy

    Liest man leider immer öfter. Ich hätte, wäre ich Privatpatient, sofort gesagt „bin Privatpatient“ wenn die Sekräterin meinte die Ärztin sei im Urlaub. Ich wette ein großer Teil wäre „plötzlich doch da“ gewesen 😉

    Akte und Stern TV berichten darüber auch regelmäßig!

  2. corinna

    Wenn der Arzt auf den fixen Privat-Euro vom Erkältungspatienten angewiesen ist, geht es ihm eher weniger gut oder? Aber es ist schon eine Schande, was da im Gesundheitswesen getrieben wird. Ich habe solche Dreistigkeiten jedoch noch nicht erdulden müssen.

  3. Mrs. Felsenheimer

    Alltag in MD – Mir ergings ähnlich als ich vor einiger Zeit nen neuen Hausarzt suchte. Einmal bekam ich bei ner akuten Erkältung nen Termin in 2 Monaten^^So ist das halt, als Kassenpatient.

  4. Torsten

    Was bei mir als Kassenpatient bisher immer geklappt hat: Ich frage bei den Sprechstundenhilfen nach, ob es einen Einfluß auf die Terminvergabe hätte, wenn ich die Behandlung selbst bezahlen würde. Ohne Krankenkasse. Bisher bekam ich immer die Antwort: „Nee, natürlich macht das keinen Unterschied – nehmen Sie schon mal Platz…“

  5. fastblogger

    Sowas ähnliches ist mir vor ein paar Monaten auch passiert. Rufe beim HNO 100m die Straße runter an und frage, ob ich kommen kann und wie die Wartezeiten sind. Darauf hiess es:“Kommen Sie vorbei, sieht gerade gut aus.“ Nach 30 Minuten warten frage ich nach wie lange es noch dauern soll. Das Wartezimmer war voller Patienten, dennoch hatte ich noch Vertrauen in die Aussage. Dann hiess es, dass Sie mir das nicht sagen kann. Darauf hin stornierte ich trotz starken Ohrenschmerzen meinen Termin. Die Ärzte denken nur an Ihren Geldbeutel und an sonst nichts.