Wie man Flüchtlingen wirklich helfen könnte

In Tröglitz geht der braune Mob gegen einen ehrenamtlichen Bürgermeister auf die Straße, weil der sich für Flüchtlinge einsetzt. In Dresden „spaziert“ montags immer noch PEGIDA durch die Stadt und stellt diese Stadt in ein sehr schlechtes Licht. Alles wegen den Flüchtlingen, die eigentlich nur irgendwo friedlich leben wollen.

Flüchtlinge sind übrigens kein neues Problem. Die gabs schon immer irgendwie. Mal mehr, mal weniger. Hier in meiner Heimat hat man früher schon Flüchtlinge aufgenommen: die in Frankreich vertriebenen Hugenotten ebenso wie die in Österreich verfolgten Protestanten. Ist ne Weile her, aber auch eines von zahlreichen Beispielen.

Worüber ich mir Gedanken mache ist die Flüchtlingsverteilung. Die erfolgt mehr oder weniger nach dem Gießkannenprinzip. Das führt dann zu Verstimmungen und solchen Problemen wie eingangs genannt. Dabei werden „frische“ Menschen benötigt, wenn man sich den demographischen Wandel und den Fortzug von Menschen aus bestimmten Regionen anschaut.

Wir haben Orte, die sind faktisch schon ausgestorben und die Vorhaltung der Infrastruktur steht kostenmäßig in keinem Verhältnis zur Zahl der dort wohnenden Menschen. Warum versucht man nicht gezielter dort mit Flüchtlingen diese Orte zu beleben? Sie dann aber nicht nur einfach dort unterzubringen, sondern mit ihnen gemeinsam da was aufzubauen? Die dürfen ja zuerst, also bis der Asylantrag entschieden ist, nicht arbeiten. Warum aber nicht sowas wie 1 €-Jobs schaffen, wo sie zur Verschönerung der Orte was beitragen können in der Zeit? Dann sitzen sie nicht rum, langweilen sich nicht nur, sondern haben eine sinnvolle Beschäftigung und können sich von dem was hinter ihnen liegt ablenken? Ablenkung hilft immer, doch wenn man nur im Flüchtlingsheim sitzt und die Wände anstarrt, kann man sich nicht ablenken. Wenn das Flüchtlingsheim erst zur Hälfte bezugsfertig ist, die andere Hälfte aber noch renoviert werden muß, dann könnten die ersten Flüchtlinge schon einziehen und beim tapezieren helfen oder dem Zusammenbau von Möbeln. So einfache Dinge halt, die aber für Abwechslung im Alltag sorgen. Vielleicht finden sich auch ein paar Musiker, die gemeinsam Musik machen können und dann z.B. in einem Seniorenheim für Abwechslung sorgen.

So wären sie beschäftigt, es gelänge kleinere aussterbende Orte wieder zu beleben und eine weitere Existenzberechtigung zu verschaffen. Dann muß die Oma auch irgendwann nicht mehr 20 Kilometer zum nächsten Discounter fahren, weil selbiger nun einen Grund hat auch dort im Ort wieder eine Filiale zu eröffnen und damit auch dort Arbeitsplätze zu schaffen. Und auch die Kinder müssten nicht mehr durch die Pampa zur Schule fahren, weil sich zumindest eine kleine Grundschule dann auch dort wieder lohnen würde zu eröffnen.

Klar, daß man nicht alle Flüchtlinge dort unterbringen kann, aber vielleicht sollte man bei der Verteilung einfach pragmatischer rangehen und das auch den Menschen dort wie auch den Flüchtlingen entsprechend vermitteln. Bisher hört man nur abgehobene salbende Worte, anstelle mal etwas mehr Pragmatismus zu zeigen.

Flüchtlinge nur danach zu verteilen wie viele Menschen irgendwo wohnen, damit der prozentuale Anteil nicht zu groß pro Ort ist, ist Blödsinn. Die Verteilung sollte eher nach sinnvollen Gesichtspunkten erfolgen, also danach wo sie und ihre Arbeitskraft gebraucht werden. Geflüchtete Ärzte kommen nach Deutschland? Dann siedelt die gleich dort an wo Ärztemangel herrscht und helft denen dort eine Praxis zu eröffnen. Dann kapieren auch die Menschen vor Ort, daß uns die Flüchtlinge auch positives bringen und nicht nur Geld kosten oder so. Familien mit Kindern kann man dort ansiedeln wo Kinder benötigt werden um die Existenz einer Schule zu sichern, damit die nicht wegen zu weniger Kinder geschlossen werden muß.

Der Aufwand das zu prüfen wäre zu groß? Nö, das lässt sich einfach über Datenbanken prüfen. Der Flüchtling nennt seinen Beruf, der Betreuer schaut in der Datenbank nach und entscheidet ob der Flüchtling nun nach Bayern, Sachsen-Anhalt oder Nordrhein-Westfalen kommt. Wenn in Bayern dringend Tischler gesucht werden, in Niedersachsen aber nicht, dann kommt der syrische Tischler halt nach Bayern und nicht nach Niedersachsen. So einfach ist das. Man muß es nur wollen. Und machen.

Wir Deutsche sind dafür bekannt alles sehr genau zu nehmen und ordentlich machen zu wollen. Manchmal machen wir es uns aber auch ein wenig zu kompliziert dadurch. Manches ginge einfacher zu lösen, wenn man etwas mehr Pragmatismus an den Tag legen würde.

4 Comments

  1. Danke Bianca, das werde ich mir mal anschauen. Nur halt schade, wenn sowas halt nur Einzelfälle sind und nicht der umgesetzte Standard.

  2. Hi Torsten,
    schön, dass du dich dem Thema annimmst! Ich habe in meinem Wohnort gerade auch mit Flüchtlingen zu tun und kann dir vielleicht ein bisschen mehr zu deinen Ideen sagen.
    Grundsätzlich ist deine Idee natürlich gut und es wär super, wenn das so umgesetzt werden könnte.
    Allerdings:
    1) 1-€-Jobs schaffen: Das Problem ist, dass die Flüchtlinge in den ersten Monaten nichts verdienen dürfen, und 1-€-Jobs fallen da ggf. schon drunter. Außerdem könnte es ein falsches Signal setzen, (harte) Arbeit mit nur einem Euro zu entlohnen.
    2) Eine zentrale Datenbank zu schaffen und die Flüchtlinge nach „Bedarf“ zu verteilen, bzw. dorthin, wo sie am besten hinpassen, wird aufgrund der Bürokratie nicht möglich sein. Da arbeiten wahnsinnig viele Stellen mit- und gegeneinander und ich persönlich habe das als total chaotisch wahrgenommen. Man bräuchte eine grundlegene Reform, und sowas dauert ja bekanntlich Jahre
    3) Du sagst: Schreiner nach Niedersachsen, Ärzte aufs Land etc – schön und gut, aber was, wenn jemand überhaupt keine Ausbildung hat? Wo soll der dann hin?
    3b) Selbst wenn jemand in seiner Heimat als sehr gut ausgebildeter Arzt gearbeitet hat – um in D arbeiten zu können, braucht er neben der Erlaubnis vor allem auch die Sprachkenntnisse. Ebenso geht es ungelernten Flüchtlingen, die hier eine Ausbildung anfangen oder jobben wollen. In den ersten Monaten haben Flüchtlinge/Asylbewerber aber kein Anrecht auf einen Sprachkurs. Wenn, müssten sie den Besuch freiwillig organisieren. Inklusive Anfahrt zur Sprachschule, Kosten für den Kurs, Unterrichtsmaterialien und den Transport. Ist also quasi unmöglich.
    3c) für den Sprachunterricht braucht man qualifizierte LehrerInnen – von denen gibt es nicht genug bzw. sie werden sehr undankbar behandelt (keine „normalen“ Arbeitsverträge, sondern nur auf Stundenbasis, schlechte Bezahlung etc). Ich habe meinen Bachelor in DaF (Deutsch als Fremdsprache) gemacht und besitze die Zulassung vom BaMF. Neulich habe ich mit einem VHS-Mitarbeiter gesprochen und er war ganz begeistert, dass ich jetzt hier wohne, weil besonders auf dem Land LehrerInnen mit dieser Qualifikation fehlen. Er hätte mich am liebsten auf der Stelle eingestellt – allerdings sind die neuen Kurse noch nicht fertig geplant, weil da schon wieder jede Menge – man ahnt es – Bürokratie hinter steckt.
    4) Meiner Meinung nach braucht man mehr Leute, die ehrenamtlich mitarbeiten. Allerdings sind viele nicht dazu bereit. Viele Studierende engagieren sich in Vereinen oder Initiativen. Das ist super. Aber Leute, die 40 Stunden arbeiten, haben keine Lust, abends oder am Wochenende noch zusätzliche „Arbeit“ zu übernehmen. Dabei macht Ehrenamt Spaß und man bekommt viel zurück.
    5) Es gibt halt immer noch zu viele Idioten alá PEGIDA, die es leider schaffen, mit ihren Parolen die Leute auf die Straße zu bringen.
    Es gibt eine Datenbank unter Wie kann ich helfen?, dort sind Vereine, Projekte und Initiativen in ganz Deutschland aufgelistet.
    Viele Grüße
    Kato

  3. Kato, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich denke da kommt wieder dieses „typisch deutsch“ hervor, aber bitte nicht falsch auffassen. Ich meine dieses „alles muß genau geplant, organisiert usw. sein“. Was nicht in irgendeiner Verordnung erläutert wird, geht halt nicht.

    Da muss man weg. Ich bin zum Beispiel skeptisch ob man wirklich professionelle Sprachlehrer braucht oder ob nicht auch jeder von uns den Flüchtlingen bissel helfen kann deutsch zu lernen, auch ohne festen Lehrplan.

    Das mit der Berufsverteilung waren jetzt natürlich nur mal fix ausgedachte Beispiele. Der „Rest“, also jene ohne Ausbildung, Rentner usw. werden natürlich entsprechend gleichmäßig verteilt. Und nein, ich will auch nicht alle aufs Land schicken und niemanden in den Städten behalten, aber wenn man die Menschen so verteilt, wie es auch vielleicht für unsere Gesellschaft nützlich ist, die sich da ja auch mit hohem finanziellen Aufwand engagiert, dann profitieren wir halt auch mehr davon und dann ist es einfacher den Einheimischen das alles zu vermitteln.

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