Der Fall #Thessa

By | Juni 4, 2011

Gestern war es soweit. Der 16. Geburtstag der Schülerin Thessa aus Hamburg sollte gefeiert werden. Wie es dazu kam, daß alle (deutsche Internet-) Welt von Thessa sprach, kann man hier nachlesen.

Wie sah das Ergebnis der so eigentlich nicht gedachten Geburtstagsfeier aus?

-ca. 1.500 Teilnehmer
-Notarzteinsatz
-Polizeieinsatz, teils sogar mit Hunden und Reiterstaffel
-mehrere Festnahmen

Der Vater von Thessa hatte zudem einen privaten Sicherheitsdienst engagiert und vorab auch die Polizei informiert.

Ich möchte die Problematik mal aus mehreren Blickwinkeln betrachten, denn die Angelegenheit ist komplexer als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Elternhaus und Schule haben versagt in Sachen Medienkompetenz

Den Beweis für diese Aussage kann man hier nachlesen.

Fakt ist, daß das Mädel absolut nicht erkennt, welche Gefahren sich daraus ableiten lassen. Thessa ist jetzt 9. oder 10. Klasse, ein Alter in dem man kurz vor dem Einstieg ins Berufleben steht. Sie ist aber weder in der Lage eine Veranstaltung bei Facebook richtig einzustellen, noch zu erkennen welche Auswirken das haben kann. Letzteres hat sie nun gestern Abend erleben dürfen. Bereits ab 15 Jahren darf man übrigens in Deutschland Mofa fahren, ab 16 Jahren an Kommunalwahlen teilnehmen – alles Dinge die Verantwortungsbewußtsein voraussetzen.

Hier gab es heftige Versäumnisse und es bleibt abzuwarten, ob einige Leute da etwas draus gelernt haben. Medienkompetenz ist wichtiger denn je und sollte von Schule und Eltern vorgelebt und vermittelt werden.

Die teuerste Geburtstagsfeier

Für Thessas Eltern wird das sicher ein teurer Spaß werden, denn der selbst engagierte Sicherheitsdienst muß bezahlt werden. Es stellt sich auch die Frage ob die von Thessas Eltern eingeschaltete Polizei den Einsatz ebenfalls Thessas Eltern in Rechnung stellt. Wenn ja, würde dies sicher ein recht teurer Spaß werden. Ich persönlich fände es übrigens korrekt, wenn die Polizei den Einsatz in Rechnung stellen würde. Außerdem würde ich glaube wegziehen, denn den Nachbarn dürfte das gestern wohl nicht wirklich gefallen haben.

Und jetzt bin ich mal gespannt, wann der nächste derartige Fall in Deutschland auftritt oder ob jetzt doch mal Eltern und Schule aufschrecken und sich ihrer Verantwortung bewußt werden.

0 thoughts on “Der Fall #Thessa

  1. Thomas N.

    Egal wie viel du zum Thema SocialMedia vorlebst oder in der Schule vermittelst, solche ‚Thessas‘ wird es immer geben. Und ob die Eltern zum Beispiel jede Nachricht auf Facebook kennen müssen sehe ich auch eher kritisch, schließlich sollen die Kinder ja irgendwann auch einmal lernen selbstständig zu handeln – da gehört es auch dazu Fehler zu machen, denn aus Fehlern lernt man [hoffe ich] 😉

  2. Jan

    Lieber Torsten,

    ich muss bei deinem Beitrag schon etwas den Kopf schütteln. Dein Ansatz, aus mehreren Blickwinkeln zu schreiben, ist ja toll aber dann musst du es auch umsetzen. Man dürfte erwarten, dass du dich mit psychologischen Folgen, Gruppendynamik, rechtlichen Grundlagen, Medienkompetenz adoleszenter Jugendlicher, uvm. intensiver auseinandersetzt.

    Bei einem vergessenen Haken von mangelnder Medienkompetenz auszugehen, halte ich für sehr gewagt. Die Konsequenzen waren schon für Erwachsene schwer vorherzusehen und entsprechend habe ich großen Respekt vor dem besonnen Umgang der Eltern mit der Situation. Wer ahnt den schon, dass es tatsächliche Menschen gibt, die von Frankfurt auf eine Veranstaltung gehen, die seit Tagen abgesagt ist. Das Thessa sich zunächst geschmeichelt fühlt von soviel Aufmerksamkeit ist völlig normal und stellt ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen nach Anerkennung und Besonderheit dar.

    Was die Kosten des ganzen angeht, so haben die Eltern alles getan um früh präventiv einzugreifen. Und seien wir doch mal ehrlich: Die Kosten sind nicht durch die Eltern, sondern durch die Menschen entstanden, die Internetseiten und Facebookgruppen erstellt, T-Shirts gedruckt und durch diejenigen, die für nicht geringen Sachschaden gesorgt haben. Diese Menschen haben letztendlich dafür gesorgt, dass diese „Veranstaltung“ stattgefunden hat. Und warum tun sie das? Weil sie im Internet anonym bleiben können, das ganze auf Kosten/Risiko anderer geht und man für nichts gerade stehen muss. Und wie sah es mit deren Medienkompetenz aus? Hätten sie mit ihren anfang/mitte zwanzig die Konsequenzen nicht vorhersehen müssen? Nein es ist wesentlich angenehmer eine 15-Jährige, die kaum ihre eigene Persönlichkeit gefunden hat verantwortlich zu machen, als selbst reflexiv über das eigene Handeln nachzudenken.

    Und wenn die Nachbarn der Familie tatsächlich dafür Vorwürfe machen würden, dann muss ich dir Recht geben, würde ich dort auch wegziehen.

    Viele Grüße
    Jan

  3. Jan

    Es ist für den deutschen Bildungsbeamten und -politiker halt einfacher, den Kindern das bisherige sinnlose Daten- und Faktenwissen in 12 statt 13 Jahren einzuhämmern, als die eigenen Verhaltens- und Vorgehensweisen anzupassen. Wer nicht mitkommt, bleibt halt auf der Strecke. Mir tun die Kids zur Zeit echt Leid. Man raubt ihnen die Kindheit und schafft es nicht, sie auf ihre Zukunft vorzubereiten.
    Und alles angeblich nur um in irgendso´nem internationalem Schwanzvergleich oben dabei zu sein.

  4. Bernfried

    Ich befürchte, dass dieser Fall geradezu Nachahmer provozieren wird. Da gibt es genügend Jugendliche, die da vielleicht noch einen drauf setzen wollen – weil das ja so cool war.

    1. Torsten Post author

      Du könntest leider Recht haben, Bernfried. Aber muß es wirklich erst zu ner Entführung, Vergewaltigung usw. kommen, eh die Kids mal anfangen über ihr Handeln nachzudenken? Ich hoffe schon deshalb, daß die Polizei den Eltern von Thessa den Einsatz komplett in Rechnung stellt. Solcher Warnschüsse braucht es einfach.

  5. kai

    Wo bleiben die verschiedenen Blickwinkel? Ich sehe nur einen.
    Hast Du schon mal nachgesehen, wie viele öffentliche Veranstaltungen es auf Facebook gibt – bei denen sowas nicht passiert ist? Du sprichst von Medienkompetenz wegen einer nicht angeklickten option? Deine einzige wirkliche Sorge scheint zu sein, wer den Polizeieinsatz bezahlt. Na wenn das alles ist, dann wird sich schon jemand finden.
    Ach ja… und wenn jemand was verbockt, dann soll er auch gleich noch wegziehen. Das ist wirklich eine tolle Lösung um einer 15 Jährigen etwas beizubringen. Mann, mann… hoffentlich hast Du keine eigenen Kinder oder wirst in irgendeiner erzieherischen Form auf welche losgelassen.