Ein Bericht aus dem Knast

By | Mai 10, 2009

Gestern war Tag der offenen Tür in der neuen Justizvollzugsanstalt (JVA) Burg (b. Magdeburg). Ich habe die Gelegenheit genutzt und mich dort auch umgeschaut.

Es war auf jeden Fall komplizierter reinzukommen als rauszukommen. Für die zukünftigen Insassen, die da ab kommender Woche die Zellen in Besitz nehmen dürfte sich dies aber eher umdrehen.

Nachdem ich eine Stunde am P+R-Parkplatz im Gewerbegebiet in einer Schlange gestanden habe, sagt man uns, daß man vort nicht mehr zur JVA käme, da man es nicht schafft, die Massen alle wegzutransportieren. Ich hätte da sonst locker noch ca. 1,5 h gestanden, eh ich dran gewesen wäre. Der einzige Abfahrtspunkt wo man noch hinkönne, wäre der Bahnhof Burg. Also fuhr ich dorthin und tatsächlich war es dort total leer und gleich mit dem nächsten Bus kam ich dann zur JVA Burg. Dort mußte ich draußen nochmal ca. 15 Minuten warten, bevor sich dann für mich die Tore öffneten. Irgendwie fiel mir da die Olsenbande ein. *g*

Die Mauern um die JVA Burg durften so ca. 10-12 Meter hoch sein, auf der Mauerkrone ist zudem noch Stacheldraht aufgesetzt. Außen herum ist noch ein kleiner Graben. Durch den Eingang gelangt man auf einen Weg, der am Hubschrauberlandeplatz und am Fußballfeld vorbeiführt. Das Fußballfeld ist auch komplett eingezäunt. Dann gibt es noch eine kleine Laufstrecke und eine Sporthalle. Die Sporthalle konnte man nur von außen sehen. Es gibt mehrere Häuserblöcke mit Zellen. Einer davon dient der Sicherungsverwahrung, zwei sind normale Hafträume und ein Block ist für die Wohngruppenverwahrung.

Die normalen Hafträume konnte man besichtigen. Sie sind alle gleich ausgestattet. Es gibt zwölf Doppelzellen, der Rest sind einige hundert Einzelzellen. Insgesamt können rund 600 Gefangene hier aufgenommen werden. Denen gegenüber stehen 300 Bedienstete, wobei die nichthoheitlichen Aufgaben, also medizinisches Personal Psychologen usw., von einem externen Dienstleister erbracht werden.

Wie sind die Zellen in der JVA ausgestattet?

Jede Zelle besitzt eine kleine Naßzelle, wo es ein Waschbecken und eine Toilette gibt. Dem Waschbecken kann man nur kaltes Wasser entlocken. Dann gibt es einen Spind aus Metall, für die persönlichen Sachen der Gefangenen. Ein Metallbett mit einer Gummimatratze (recht hart) befindet sich in der Zelle, sowie ein kleiner Tisch mit einem Stuhl. Dann steht in jeder Zelle ein ganz kleiner Minikühlschrank. Dabei dürfte es sich wohl um den MyFridge MF-18 handeln. Dann gibt es noch ein, zwei Wandregale aus Blech.

Die einzelnen Zellenblöcke haben innen verschiedene Farben. Um 21.30 Uhr werden alle Zellen verschlossen, um 6.00 Uhr morgens ist wecken angesagt.

Das Essen wird auf den Zellen eingenommen. Ausnahmen gibt es bei den Gefangenen, die in der JVA Burg einer Arbeit nachgehen. Damit können sich die Gefangenen bis zu 250 Euro im Monat dazuverdienen.

Es gibt da verschiedene Gewerke, leider waren die Kataloge bereits vergriffen. Ich hab mir aber einen angefordert und schaue mal, was die Gefangenen da so alles produzieren. Dazu gibt es auf dem Gelände der JVA mehrere Produktionshallen. Natürlich gibt es auch einen medizinischen Bereich.

Die JVA ist sicherheitstechnisch die modernste und bestausgestattetste in ganz Europa. Durch die Auslagerung der nichthoheitlichen Aufgaben an private Dienstleister spart das Land Sachsen-Anhalt rund 12 % der Kosten ein, die sonst entstanden wären.

Fotos muß ich leider schuldig bleiben, da in der JVA Burg verständlicherweise Fotografierverbot herrscht. Vor der JVA standen einige Zelte. Da konnte man Dinge kaufen, die die Gefangenen angefertigt hatten. Ich bin jetzt um drei T-Shirts, drei Kaffeebecher und ein Sitzkissen reicher. Das ganze für schlappe 34 Euro. Auch Zollstöcke, Holzkohlegrills oder Feuerkörbe gab es zu kaufen.

Fazit: Für mich war es recht interessant, auch wenn die Sache mit dem Bustransfer erst etwas holprig war. Wer jemals die Chance zu so einer Besichtigung hat, sollte die auf jeden Fall wahrnehmen. Als Luxus würde ich die Zellenausstattung definitiv nicht bezeichnen, sie entspricht genau den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.

0 thoughts on “Ein Bericht aus dem Knast

  1. Pingback: Blogvorstellung: Torsten Maue kann man auch Erwin nennen... - www.jens-stratmann.de

  2. Evi

    Hi Torsten,

    danke für den Bericht.
    Ich wünschte ich wäre dort gewesen bzw. man hätte mich in eine Knast-Zelle eingewiesen. Ich wurde – grundlos…ehrlich jetzt, ich bin fast 60 J. und schwer krank – in ein 'Obdachlosenasyl' mit meiner Katze verfrachtet worden letzte Woche.
    Es gab keine Heizung und kein Licht, kein Bett, nur eine Spüle, sonst nix, und das bei 10 Grad minus draussen. Das Klo und die Dusche möchte ich nicht näher beschreiben, habe aber sehr eindrucksvolle Fotos. Raumtemperatur ca. 6 Grad im Klo und Dusche, drüben ca. 10 – 12 Grad.
    Ich stellte mir die Frage, warum habe ich meinen Peiniger nicht angegriffen, dann hätte ich doch in der JVA Essen zumindest ein Bett und normale Temperaturen gehabt, und sogar Verpflegung.

    Verbrecher werden also besser behandelt wie unschuldige Bürger….ich habe immer noch Alpträume von dieser Woche, die ich wohl so schnell nicht mehr wegkriege.

    Ich versteh diese verlogene Welt eh nicht mehr, jetzt werde ich aber zum „rasenden Tier“ und schlage zu, natürlich nur mit meiner Anwältin….lächel.