Von Homosexuellen und anderen sexuellen Orientierungen

By | Juni 25, 2011

Am letzten Donnerstag war Stadtratssitzung. In deren Verlauf fand eine aktuelle Debatte mit dem Titel „Rechte von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen in Magdeburg“ statt, deren sich mehrere Anträge von Bündnis90/Grüne, Die Linke sowie SPD-Tierschutzpartei-future anschlossen. Das Ganze stand in Zusammenhang mit dem Christopher Street Day (CSD). Dazu hatte ich vor kurzem hier bereits etwas geschrieben.

Aufsehen erregte die Rede des CDU-Stadtrates Jens Ansorge, was die „Volksstimme“ zum Anlaß nahm eine Schlammschlacht in der Öffentlichkeit loszutreten.

Wer mich kennt der weiß, daß ich nicht wirklich ein Freund der CDU bin, aber ich bin auch jemand der Wert darauf legt, daß in den Medien eine korrekte Darstellung von vorgefallenen Situationen erfolgt. Da ich der Stadtratssitzung selbst beiwohnte, habe ich auch diese Rede verfolgt und weiß was Herr Ansorge sagte.

Das Zitat „Wie sollen wir uns als Fraktion verhalten, wenn wir die Rechte von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen gar nicht stärken wollen? Denken Sie an Menschen, die sich sexuell auf Tiere orientieren. (…) Oder was ist mit denen, die ihre sexuelle Orientierung an Kindern auslassen?“ bezog sich AUSSCHLIESSLICH auf den Titel der Debatte (s.o.) und sollte nicht etwa Homosexuelle auf eine Stufe mit Kinderschändern stellen. Lediglich den sehr allgemein und weitschweifend gehaltenen Titel der Debatte bemängelte Herr Ansorge. Die „Volksstimme“ redet gleich wieder von „…höchstproblematischen Abschweifungen…“. Was an dieser Aussage von Herrn Ansorge nun „höchstproblematisch2 sein soll, erschließt sich mir nicht wirklich, denn mit etwas Abstand betrachtet fallen Sodomisten und Pädophile tatsächlich unter den Titel der Debatte, genauso wie die Fans der SM-Szene, die Swinger und und und…. Das erstgenannte Gruppen sich in Deutschland mit ihren Neigungen strafbar machen, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Ich hätte die Aufregung noch verstanden, wenn sich Herrn Ansorges Aussage direkt auf den CSD und nicht auf den Titel der Debatte bezogen hätte, so sehe ich das hier aber eher als Sturm im Wasserglas, als Shitstorm. Es wäre von der „Volksstimme“ fair gewesen, auf das Dankesschreiben der CSD 2007-Verantwortlichen hinzuweisen, indem selbige Herrn Ansorge namentlich dankten, daß er in seiner damaligen Eigenschaft als Stadtratsvorsitzender den CSD unterstützt hatte. Wenn Herr Ansorge also Homosexuelle auf einer Stufe mit Sodomisten und Pädophilen sehen würde, hätte es sicher 2007 auch keinen Grund für ihn gegeben den CSD 2007 zu unterstützen.

Achja, und weil wir hier ja gerne in diesem Bereich von Toleranz geredet wird. Toleranz ist etwas, was man nicht nur einfordern sollte, sondern auch selbst üben sollte. Dazu gehört dann gerade auch die Meinung anderer zu akzeptieren. Intolerant empfand ich persönlich übrigens auch das Verhalten vieler Besucher auf der Zuschauertribüne an jenem Tag. Das Thema CSD war kaum abgeschlossen, da verließ das Gros schlagartig die Zuschauertribüne. Für mich auch ein Zeichen fehlenden Respekts und Interesse an der eigentlichen Arbeit der Stadträte. Auch das zeugt von wenig Toleranz, die man doch eigentlich immer von anderen erwartet, oder?

Bin gespannt, wie das jetzt weitergeht. Werde das Thema auf jeden Fall im Auge behalten.

0 thoughts on “Von Homosexuellen und anderen sexuellen Orientierungen

  1. Chorche1975

    Danke für diesen ausgeglichenen Kommentar! Bei jeglicher Kritik wird gleich mit der Intoleranzkeule zurückgeschlagen.

  2. oekochris

    Manche meinen eben, Toleranz kommt von toll. Aber man muß nicht alles toll finden, um tolerant zu sein.

  3. Ditmar Pauke

    Daß Stadtratsbesucher auf der Tribüne nach den sie interessierenden Themen die Sitzung verlassen, ist allerdings normal. Das würde ich nicht als intolerant bezeichnen. Die Beiden von der Freiwilligen Feuerwehr Olvenstedt sind auch gegangen, nachdem ihr TOP durch war. Man kann nicht von jedem verlangen, daß er sich die ganzen (diesmal) 5,5 Stunden dort oben hinsetzt.

    1. Torsten Post author

      Verlangt ja niemand da 5,5 h sitzen zu bleiben. Ich finds nur doof, wenn alle gleich so losstürzen und halt mal nicht vielleicht noch 1-2 TOP abwarten. Das würde meiner Meinung nach von Respekt gegenüber den Stadträten und ihrer Arbeit zeugen. Ich bin dieses Mal auch bereits um 19 Uhr gegangen. Thematisch kam dann erstmal nichts so weltbewegendes mehr und meine Akkus gingen auch zur Neige.