Wenn Tourismus und ÖPNV sich blockieren

By | August 13, 2013

Letztes Wochenende nahm ich den zweiten Anlauf mir den Ziegeleipark Mildenberg anzuschauen. Dieses Mal klappte es auch, aber nur mit großen Hindernissen.

Zuerst ein kurzer Überblick. Mildenberg befindet sich in der Mark Brandenburg, ca. 60 km nördlich von Berlin. In der Gegend gibt es sonst nichts wirklich weltbewegendes, keine Industrie die tausende Arbeitsplätze schafft oder sonstwas. Hier gibts kleine verschlafene Dörfer, paar Seen und viel Acker. Mittendrin nun befindet sich der Ziegeleipark Mildenberg, ein Denkmal, das einst die größte Ziegelei Europas war.

Mildenberg hat keinen Bahnanschluss. Wer dorthin will hat nur zwei Möglichkeiten: entweder mit dem eigenen Auto anreisen oder ab Zehdenick (Mark) vom Zug in den Bus umsteigen. Und da beginnt das Drama.

Die Buslinie 838 Zehdenick (Mark) – Fürstenberg (Havel) (PDF) ist so das letzte, was dazu dient die Touristen dazu zu bewegen den ÖPNV zur Anreise nach Mildenberg zu nutzen. Von Montag bis Freitag verkehrt der Bus in den Ferienzeiten als sogenanntes Linientaxi, das heißt es ist ein Kleinbus für maximal 7 Personen und für größere Gruppen ebenso ungeeignet wie für Leute mit Fahrrädern usw. Aber gerade in den Ferienzeiten machen die Leute doch eher mal unter der Woche Ausflüge in die Region.

Am Wochenende ist es grundsätzlich so, daß der Bus als sogenannter Rufbus verkehrt. Den muß man 90 Minuten vorher telefonisch anmelden. Hat der Zug dann Verspätung, kann es durchaus passieren, daß der Rufbus trotz Kenntnis der Verspätung nicht wartet, sondern einfach wieder wegfährt. So geschehen an dem Tag als ich vor Ort war. Liebe Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH, so geht das nicht. Das hat nichts mit Kundenzufriedenheit zu tun. Wenn euer Busfahrer keine Lust hat, Kundenservice zu praktizieren, dann ist er für den Job schlicht nicht geeignet. Mir wurde auch vom Taxifahrer bestätigt, ja ich nutzte dann ein Taxi um zum Ziegeleipark zu kommen, daß so etwas regelmäßiger vorkommt und er dann Fahrgäste irgendwo hinfährt, die eigentlich den Rufbus nutzen wollten.

Die Rückfahrt vom Ziegeleipark Mildenberg zum Bahnhof Zehdenick hat mir auch nur Kopfschütteln entlockt. Am Aushangfahrplan in Mildenberg steht eine Abfahrt zur Minute .43 dran. Bei der telefonischen Anmeldung des Rufbusses wurde mir aber die Minute .35 genannt als Abfahrtszeit und zu der Zeit kam der Bus auch. Was ich dann erlebte, kann wahrscheinlich auch nur in der Mark Brandenburg passieren. Kurz vor dem Bahnhof Zehdenick standen wir und zwar an der geschlossenen Schranke. Dann fuhr mein Zug ein und eh wir am Bahnhof hielten, fuhr er auch bereits weiter. Das hieß dann eine Stunde auf den nächsten Zug in Richtung Oranienburg warten. Sonntags. In einer Weltstadt wie Zehdenick. Wie wäre es denn mal die Busfahrzeiten auf den Fahrplan abzustimmen und so zu legen, daß man als Reisender auch noch die Chance hat den Zug zu bekommen?

Dann wäre vielleicht der Parkplatz vor der Ziegelei in Mildenberg nicht so voll gewesen, weil stattdessen mehr Leute mit der Bahn angereist und in den Bus umgestiegen werden. Ich habe selten für eine 60 km lange Strecke so lange gebraucht wie auf der Relation Berlin – Mildenberg. Ihr wollt mehr Touristen in eurer Region? Dann schafft einen touristenfreundlichen Nahverkehr, der auf die Bahnverbindungen abgestimmt ist und auch in Ferienzeiten und am Wochenende mit regulären Linienbussen befahren wird, wo auch Gruppenreisende und Leute mit Kinderwagen usw. eine Chance haben mitzufahren.

Wer mit Steuermitteln finanziert wird, sollte diese auch so einsetzen, daß der Steuerzahler davon einen Vorteil hat.

5 thoughts on “Wenn Tourismus und ÖPNV sich blockieren

  1. Daniel

    Hallo Torsten,

    mal ehrlich, hast Du was anderes erwartet?

    In solchen Gegenden kannst Du froh sein das überhaupt was fährt. Ich kenne genug Beispiele wo selbst der Busverkehr komplett eingestellt wurde oder am Tag nur 4 Busse fahren, 2 rein in die Stadt am morgen und nachmittag wieder retour.

    LG Daniel

    1. Torsten Post author

      Ehrlich gesagt, ja ich hatte durchaus etwas anderes erwartet. Es kann doch nicht so schwer sein zwei Fahrpläne sinnvoll aufeinander abzustimmen.

  2. Alex

    Moin,

    laut vbb.de ist die reien Fahrzeit Berlin Hbf – Mildenberg 1h17min, was für 60km jetzt nicht wirklich gut ist. Bedenktm an aber, wie die Verbindung ist, nämlich nicht direkt, dann is das schon ok.
    Zu den Rufbussen der OVG kann ich bisher nur gutes berichten, abgesehen mal von einem Dispatcher (oder mit wem man da am Fon auch immer spricht), der ein wenig muffelig ist, aber es gibt zum Glück auch andere dort.
    Wenn man zu spät kommt, ist es kein Problem, dort anzurufen udn zu sagen, dass der Zug später kommt, die können sich darauf einrichten. Einmal hatte ich es sogar, dass Sie mri sagten, dass der Bus nicht warten kann (30min Verspätung), da noch andere Fahrgäste im Bus sein. Dafür komme er aber, wenn er diese Fahrgäste zum Ziel gebracht hat, wieder. Das nenne ich auf dem Land durchaus Service! Es wird sich bemüht! Immerhin sind das alles Subunternehmer die da fahren, die verdienen meiens Wissens nicht gerade viel udn müssen den ganzen Tag abrufbereit sein, nciht unebdingt ein toller Job! Das Geld ist einfach nicht da! Zudem kann man Gruppen anmelden, dann fährt ein ganz normaler Bus, von daher kann ich die Aufregung nicht verstehen! Einzig dass der Zug auf der hinfahrt einen Schaden hatte udn das auf der Rückfahrt der Anschluss in Zehdenick wohl nicht geklappt hat, sehe ich als äußerst ärgerlich an und gebe dir Recht, dass das alles andere als optimal ist!
    Ansonsten stimme ich Daniel zu.

    Grüße aus Berlin!

    1. Torsten Post author

      Diese Rufbusgeschichte ist auch daher suboptimal, weil ich die 90 Minuten Vorankündigung für doch recht lange halte und auch viele menschen (so wie ich) mit Rufbussen an sich keine Erfahrung haben und das genaue System nicht kennen.

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